Modemessen: Mailand als Vorbild für Berlin

Modemessen
Mailand als Vorbild für Berlin

Berlin ist in: Die Fashionweek in der Hauptstadt hat sich so gut etabliert, dass ein neues Gleichgewicht zwischen den großen europäischen Plätzen für Modemessen entstanden ist. Welche Messen, wie viel Bedeutungen haben.
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Düsseldorf/ MailandEin Schild weist noch auf die Zollstelle hin, darunter dreht sich das Gepäckband. Doch die Passanten in der alten Flughafenhalle sind ein wenig zu gut frisiert, als dass sie das typische Flughafenpublikum wären, ihre Kapuzenshirts sind zu modisch, die Halstücher zu drapiert. Richtig, vom Berliner Flughafen Tempelhof ist schon lange kein Flieger mehr gestartet. Stattdessen baut die Modemesse "Bread & Butter" hier seit zwei Jahren alle sechs Monate ihre Stände auf.
Die Messe hat sich so gut etabliert, dass ein neues Gleichgewicht zwischen den großen europäischen Plätzen für Modemessen entstanden ist. Dabei entwickelt sich eine Arbeitsteilung zwischen Berlin, Düsseldorf, Mailand und Florenz. "Wichtig ist, dass eine Messe die Zukunft zeigt", sagt Reiner Pichler, Chef der Holy-Gruppe mit Marken wie Joop, Windsor und Strellson. "Berlin ist für Mode eine der wichtigsten Messestädte weltweit geworden." Die Düsseldorfer CPD sei hingegen eine "Arbeitsmesse" - hier bestellten die Einkäufer der Modehändler die Ware, die sie in Berlin entdeckt haben. Und in Florenz blüht die Herrenmode. Regionale Bedeutung hat die Münchener Modemesse.

Auch die Mailänder Modewoche, gestern gestartet, hat reagiert: Während die Schauen noch bis vor zwei Jahren zumindest teilweise in den Hallen der alten Messe in der Innenstadt stattfanden, weichen sie heute auf andere, originellere Orte wie Theater, ehemalige Kinos oder historische Palazzi aus. Zuletzt haben einige Designer auch den Domplatz und andere Orte unter freiem Himmel ausgewählt.

Berlin als guter Standort
Mailand ist auch Vorbild für Berlin. Hier haben sich mehrere Messen für eine Modewoche mit europaweiter Ausstrahlung zusammengetan. Mit dabei ist die Bread & Butter, die sich nach dem Umzug von Barcelona nach Berlin zum Mittelpunkt gemausert hat. In kürzester Zeit hat sich Berlin als Standort etabliert - mit starker Unterstützung des Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), der der Bread & Butter hemdsärmlig den Flughafen als Standort zugesichert hatte. "Zwei Drittel unseres Publikums kommen aus dem Ausland - das finden sie im Bereich der Casual-Mode sonst nirgendwo", sagt Bread-&-Butter-Chef Karl-Heinz Müller.


Um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt zeitgleich die Messe "Premium". Auch sie wartet mit historischen Gemäuern auf: den Hallen am Berliner Gleisdreieck. 59 117 Besucher sahen dort vor wenigen Wochen Kleidung von kleineren Labels - ein Plus von 27 Prozent. Die "Premium" hat sich als Bühne für kleine Designer etabliert. Größere Marken nutzen die Veranstaltung, um ihre kreativen Kollektionen zu zeigen. So baute Adidas einen Showroom auf mit seiner Reihe "Silver" - in silberne Mäntel gekleidete Models zeigten Adidas-Mode, die mit Sportswear nur noch wenig gemeinsam hat. Dabei wählt die Messe aus, wer etwas zeigen darf. "Wenn es nur um die Nachfrage gehen würde, müssten wir noch weiter anbauen. Das wird nächste Saison eine große Herausforderung", sagt Premium-Geschäftsführer Norbert Tillmann.

Mehr in die Nische geht die Messe "Bright". Sie belegte zum zweiten Mal in Berlin das Haus der Ex-DDR-Staatssicherheit. Die unrenovierten Büros bieten den Modemarken die Möglichkeit, je eigene Räume einzurichten. "Hierher kommen mehr internationale Besucher als bei früheren Veranstaltungen in Frankfurt", sagt Bright-Macher Thomas Martini. Knapp 300 Marken und 11400 Besucher waren zuletzt dabei, sahen Shirts und Sneakers von Labels wie Cleptomanicx und Carhartt.
"Wir wollen jetzt in der Qualität, nicht in der Quantität wachsen", sagt Martini. Für viele Händler von junger Mode ist die kleine Messe der entscheidende Treff. So schickt Julius Dittmann, Chef der Skateboard-Laden-Kette Titus zehn Einkäufer zu der Messe. Zudem informierten sich drei Designer seiner Eigenmarken über die Schnitte der Konkurrenz. Das "jugendliche Gefühl", das Dittmann den Kunden in den 39 Titus-Läden verkaufen will, spiegelt sich wider: Die Besucher sind jünger, lässiger gekleidet und entspannter als auf den anderen Messen der Fashion Week.

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