Moderates Wachstum
Hilfsmotor schiebt Fahrradbranche an

Deutschland fährt Rad: Auch in der Krise wächst die Branche mit rund fünf Prozent pro Jahr. Vor allem neue Technik lässt viele Deutsche auf den Sattel umsteigen. Statt Billigräder beim Discounter zu kaufen, setzen viele Radler auf Fachhändler. Die Hersteller sind zuversichtlich, dass das Wachstum langfristig gehalten werden kann.

REICHSHOF. Keine Spur von Krise: Die Fahrradbranche freut sich weiter über gute Geschäfte. „Nach zwei Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten rechnen wir auch in diesem Jahr noch mit einem Umsatzplus von rund fünf Prozent“, sagte Frank Bohle, Geschäftsführer und Mitinhaber von Europas umsatzstärksten Fahrradreifenmarke Schwalbe dem Handelsblatt. Und ein neuer Trend in der Branche könnte die Umsätze weiter ankurbeln.

Zu Beginn der führenden Herbstmessen der Branche, der Eurobike in Friedrichshafen und der Interbike in Las Vegas, in dieser Woche spricht Bohle von einer „dauerhaften Sonderkonjunktur“. Das liege vor allem daran, dass in Deutschland der Radverkehr ständig zunehme – nach Erhebungen des Bundesverkehrsministeriums um zuletzt 17 Prozent.

Nach einer aktuellen Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) stieg allein die Zahl der Betriebe, die Übernachtungsangebote speziell für Radler offerieren, von rund 200 im Jahr 1995 auf fast 5 000 in diesem Jahr. Die durchweg rosigen Prognosen über die künftige Entwicklung in diesem Bereich werden bisher durch nichts getrübt.

Nachdem sich bereits 21 Prozent aller Deutschen schon einmal einen Radurlaub mit mindestens einer Übernachtung gegönnt haben, können fast 50 Prozent aller Bundesbürger sich vorstellen, es ihnen gleichzutun. Und die legen offenbar Wert auf hochwertige Räder. Die Kundschaft kauft wieder stärker beim Fachhandel und nicht mehr so häufig bei Discountern. Während der durchschnittliche Verkaufspreis eines Rades zuletzt bei rund 370 Euro lag, befindet sich der Großteil des Angebots im Fachhandel zwischen 600 und 1 000 Euro pro Rad. Der Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) beziffert den Branchenumsatz für 2008 insgesamt auf etwas mehr als drei Mrd. Euro.

Nach einer VDZ -Studie wurden im vergangenen Jahr 63 Prozent aller Räder in Deutschland wieder im Fachhandel gekauft - sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Grund dafür mag auch sein, dass viele Händler keinerlei Serviceleistungen für billige Tchibo- oder Aldi-Räder mehr übernehmen wollten“, sagt ein Branchenkenner.

Diesen Vorwurf weist Albert Herrestal, Geschäftsführer des unabhängigen Verbundes VSF, für die Mehrzahl der darin zusammengeschlossenen mehr als 200 Fahrradhändler zwar zurück, doch freuten sich die VSF-Mitglieder im vergangenen Jahr über ein Umsatzplus von neun Prozent. Der Zuwachs im ersten Halbjahr laufenden Jahres lag bei 11,4 Prozent.

Die zweistelligen Zuwächse, die jüngst auch die Zubehör-Branche überraschten, will ein Hersteller wie Schwalbe erst einmal verarbeiten. Von 69 Mio. im Jahr 2006 stieg der Jahresumsatz bei dem Vorzeigeunternehmen aus dem Bergischen Land in zwei Sprüngen auf 101 Mio. Euro. „Das war nicht geplant“, sagt Mitinhaber Bohle, der innerhalb der nächsten zwei Jahre nur ein moderates Wachstum anpeilt und in dieser Zeit den Schwalbe-Eigner, die Ralf Bohle GmbH, in Produktion und Logistik auf neue Großtaten vorbereiten möchte.

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