Modul für Modul durchleuchtet
China will weltweite Führung in der Transrapid-Technologie

Die Industrie im Reich der Mitte setzt darauf, dass die Verlängerungs-Fristen für deutsche Patente zu einer Registrierung in China verstrichen sind.

PEKING. Commander Wu sieht sich als Kriegsherr im Dienste des technologischen Aufstiegs von China. Der Leiter des Transrapid-Projektes in Schanghai bezeichnete nach der Jungfernfahrt des Magnetzuges auf der 31 km langen Verbindung am Silvestertag 2002 die Erfahrungen mit dem Bau als eine „wunderbare Kampferfahrung“. Und wie ein guter General denkt Wu Xiangming schon einige Schritte weiter, in der Schlacht um eine der führenden Verkehrstechnologien auf dem Planeten.

In der August-Ausgabe des „China Comprehensive Transportation“, eines Monatsmagazins der Entwicklungs- und Reformkommission – ein Blatt, das fast nur Insider lesen – schreibt er in verblüffender und enthüllender Weise, wie China sich der Technologie bemächtige und damit die globale Führung übernehmen will. „Wenn wir uns früh entscheiden, unser eigenes Magnetschwebebahn-System zu entwickeln, können wir auf diesem Gebiet führend in der Welt werden“, schreibt Wu.

Der Commander verweist in dem Artikel darauf, dass die Verlängerungs-Fristen für die deutschen Patente zu einer Registrierung in China verstrichen seien, weil seit einem Jahrzehnt keine wesentliche Weiterentwicklung geschehen sei. „Das bietet uns die ausgezeichnete Chance, den aktuellen technischen Stand durch Kooperation und eigene Anstrengung weiter zu entwickeln". China könne mit der deutschen Technologie die Plattform für einen eigenen internationalen Technologie- Standard bauen. „Wenn wir diese Gelegenheit ergreifen", schreibt er, „werden wir eine Schlüsseltechnologie kontrollieren, die unser Land reicher macht“. Modul für Modul hat der Commander den Transrapid durchleuchtet und ist zu dem Schluss gekommen: „Außer bei der Software, den Sensoren und dem Monitoring-System kann der Großteil der Ausrüstung und der Teile des Fahrzeugs beim nächsten Projekt lokalisiert werden. Was dann noch fehlt, wird importiert.“ Der Präsident einer ausländischen Firma mit 45 Gemeinschaftsunternehmen in China – gemeint ist Siemens-Chef Heinrich von Pierer, wie Insider sagen – habe versprochen, die Lokalisierung im nächsten Transrapid-Projekt zu realisieren. Wu hat vier kritische Bereiche für den Bau der Waggons des Transrapid in China abgeklopft und kommt zu dem Ergebnis: auf Grund der derzeitigen Industriestruktur in China, bestehe die Möglichkeit, eine Waggonfabrik zu bauen und die Lokalisierung zu realisieren. Mit der Qingdao Sifang Vehicle Institution sowie der Zhuzhou Time Rubber and Plastic und einigen Flugzeugbauern seien Firmen vorhanden, die das bewerkstelligen könnten, sagte Wu. Aufholen müsse China lediglich noch bei der Qualität.

Auch die wichtigsten Materialien für den elektromagnetischen Antrieb der Fahrzeuge könnten in China gekauft werden. Bezugsquellen seien der Stahlriese Baosteel – mit dem ThyssenKrupp kooperiert – die Southwest Aluminium- Factory sowie Shanghai Dupont, die das Isolierungs-Material liefern könne. Dasselbe gelte für Controller, Konverter und Batterien. Der Preis für die Technologie könne von 300 Mill. Renminbi (rd. 30 Mill. Euro) pro Kilometer auf 172 Millionen gedrückt werden. Insider halten sogar 150 Millionen für machbar. Als eine wichtige Voraussetzung für sein Konzept zum Aufbau einer eigenen chinesischen Transrapid-Industrie sieht Wu in dem Bau einer Mittelstrecke von etwa 300 km. Dabei bringt er die Strecke Wuxi-Schanghai-Hangzhou ins Spiel, einen Metrorapid im Jangtse Delta westlich von Schanghai mit fünf Bahnhöfen und einer Unterstrecke in Schanghai, die auf 35 km Länge die Endstation Longyang des jetzigen Transrapid-Projektes mit dem Südbahnhof Schanghais und dem Gelände für die Expo 2010 vorsieht. Falls genehmigt, könne dieses Projekt vor der Expo fertig gestellt werden. Transrapid-Insider in China verweisen aber darauf, dass zunächst eine Grundsatzentscheidung auf Regierungsebene fallen müsse, über die Aufgabenteilung von Magnet-Technologie und Eisenbahn. Vor Anfang 2004 sei mit keinem weiteren Transrapid-Auftrag zu rechnen.

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