Möbelhersteller
Schieder geht in die Insolvenz

Der überschuldete ostwestfälische Möbelhersteller Schieder will Insolvenz anmelden. Das Unternehmen bestätigte zwischenzeitlich Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen.

oli/ire/HB DÜSSELDORF. Die Gespräche mit Banken und Investoren über die weitere Finanzierung seien gescheitert, teilte Schieder mit Sitz im gleichnamigen ostwestfälischen Ort am Freitag mit. Noch am Nachmittag solle beim Amtsgericht Detmold ein Antrag auf Insolvenz eingereicht werden. Nach Betriebsratsangaben sind voraussichtlich alle deutschen produzierenden Standorte betroffen. Das ist der Super-Gau für die Region“, klagte ein Sprecher der IG Metall.

Mit der Insolvenz sind alle Versuche des neuen Schieder-Managements gescheitert, die rund 50 Gläubiger zumindest zu einem teilweisen Forderungsverzicht zu bewegen. Das Unternehmen hatte jahrelang zuviel Umsatz ausgewiesen. Aufgrund der falschen Bilanzen hatten Banken Kredite gewährt, die nun offenbar zurückgezogen worden sind. Zu den Instituten, die Schieder Geld geliehen hatten, gehörten die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die Bank of New York. Zuletzt hatte es in Unternehmenskreisen geheißen, die DZ-Bank-Tochter DZ Equity Partner würde sich querstellen. Sie wies die Vorwürfe aber am zurück.

Das Management und die IG Metall wollen nun gemeinsam mit dem noch zu ernennenden vorläufigen Insolvenzverwalter versuchen, eine Lösung für die Unternehmensgruppe zu finden. Zunächst gehe es darum, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Das Unternehmen betonte, dass die profitablen Tochtergesellschaften der Holding in der Schweiz, in Liechtenstein, Italien und Bosnien-Herzegowina von dem Insolvenzantrag nicht betroffen seien.

Schieber ist mit 800 Mill. Euro Europas umsatzstärkster Möbelhersteller. Das Unternehmen beliefert 5 000 Kunden in 60 Ländern, darunter den schwedischen Möbelriesen Ikea und den deutschen Discounter Roller. Schieber produziert an 41 Standorten in Europa und Asien, darunter 10 deutsche Werke. 11 000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, davon gut 1 200In Deutschland.

Der große Lieferant preiswerter Wohnmöbel war bereits im April nur ganz knapp an einer Insolvenz vorbeigeschlittert. Unternehmensgründer Rolf Demuth, bis dahin Mehrheitsgesellschafter des Möbelherstellers, musste daraufhin die Macht im Unternehmen an seine Gläubigerbanken abgeben. Das Bankenkonsortium unter Führung der Investmentbank Goldman Sachs setzte sofort ein neues Management ein. Bei einer anschließenden Überprüfung der Bilanzen hatten sich Unregelmäßigkeiten ergeben, die in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bielefeld mündeten. Demuth und sein langjähriger Geschäftsführer Samir Jajjawi sowie zwei weitere ehemalige Schieder-Manager befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die Schieder-Gruppe hatte in den vergangenen Jahren den Aufwärtstrend am Möbelmarkt nicht mitvollziehen können, weil sie sich weiter in veralteten Strukturen bewegte. Während die Verlagerung von großen Teilen der Produktion in das Niedriglohnland Polen in den 80er-Jahren noch als Pioniertat galt, haben inzwischen asiatische Länder, allen voran China, die Funktion der "Werkbank des Westens" übernommen. Die Chinesen können deutschen Qualitätsherstellern wie Interlübke oder Poggenpohl das Wasser nicht reichen. Aber für den Massenmarkt, auf dem sich auch die Schieder-Gruppe tummelt, reicht es allemal.

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