Mögliche Kooperation mit Scania und MAN
Pischetsrieder bietet sich als Vermittler an

Der Vorstandschef von Volkswagen, Bernd Pischetsrieder, hat sich als Vermittler für eine mögliche Kooperation mit den beiden Lkw-Herstellern Scania und MAN ins Spiel gebracht.

Reuters STOCKHOLM/HAMBURG. „Wir sind der Meinung, dass eine Kooperation zwischen Volkswagen, Scania und MAN Sinn macht“, sagte Pischetsrieder der Nachrichtenagentur Reuters auf einem Flug nach Stockholm, wo er an einer Aufsichtsratssitzung des schwedischen Lkw-Herstellers Scania teilnahm. „Unsere Aufgabe kann die des Vermittlers sein“, fügte Pischetsrieder hinzu. „Was wir wollen und tun können, das tun wir, und zwar dann, wenn es zum Vorteil von Scania ist. Unsere Rolle kann die eines Vermittlers ein.“ Volkswagen ist mit gut einem Drittel der Stimmrechte neben dem schwedischen Lkw-Bauer Volvo Großaktionär bei Scania.

Volvo hält 31 % der Stimmrechte und 45 % der Aktien an Scania, muss sich aber aus kartellrechtlichen Gründen von seiner Beteiligung trennen. Volvo will offenbar erreichen, dass eine für April 2004 gesetzte Frist von der EU-Kommission um ein Jahr verlängert wird. Dies sollte Pischetsrieder zufolge auch Thema der Aufsichtsratssitzung von Scania sein.

Pischetsrieder trat außerdem Spekulationen entgegen, Volkswagen könnte sich an einer denkbaren Zerschlagung des Münchener Maschinen- und Nutzfahrzeugherstellers MAN beteiligen. „Ich habe niemals und niemand von Volkswagen hat jemals mit irgend einem Finanzinvestor irgendwelche Gespräche zur Übernahme von Scania oder MAN oder sonst was geführt“, sagte er. Zugleich machte Pischetsrieder deutlich, dass Volkswagen auch nicht den Verkauf von Scania-Anteile erwägt, sondern als dessen Großaktionär die Rolle als „Moderator oder Integrator“ anstrebt.

Dies könne mit der Rolle eines „Ehe-Anbahners“ verglichen werden. Dabei brachte der gebürtige Bayer Pischetsrieder den bayerischen Begriff des „Schmusers“ ins Gespräch: „Wenn ein Bauer seine Tochter verheiraten will, dann beschäftigt er einen Schmuser und der hilft ihm, einen Ehegatten zu finden.“

Pischetsrieder ließ offen, wie eine solche Kooperation aussehen könnte. Für den Wolfsburger Konzern hätte eine Zusammenarbeit aber den Vorteil, dass die Wolfburger großen Logistikprovidern vom Kleinlaster bis zum schweren 40-Tonner das ganze Sortiment anbieten könnten. Kernbereich von Volkswagen bliebe dabei das Geschäft mit leichten Lkw, betonte Pischetsrieder. „Infofern ist unser Kerninteresse in der Ecke, wo nicht das Kerninteresse von Scania und MAN ist.“

Mit der Aussage, dass Volkswagen beim Zustandekommen einer Dreier-Allianz helfen könnte, ließ Pischetsrieder die Möglichkeit offen, dass MAN mit finanzieller Schützenhilfe des Wolfsburger Konzerns bei dem schwedischen Unternehmen einsteigen könnte. Zuletzt war spekuliert worden, MAN könnte mit finanzieller Hilfe von Volkswagen Scania-Aktien erwerben.

Bei einem Zusammengehen kämen die beiden den Marktführern Daimler-Chrysler und Volvo/Renault mit ihrer neuen Größe deutlich näher. Berührungspunkte zwischen MAN und Scania gibt es bereits. Seit April dieses Jahres liefern die Münchener Achsen an die Schweden und erhalten im Gegenzug Lastwagengetriebe. „Da kann man durchaus mehr machen“, sagte Pischetsrieder, wurde aber nicht konkreter.

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