Mögliche Übernahme
Autozulieferer Grammer bremst Polytecs Avancen

Der Vorstand des bayerischen Autozulieferers Grammer sieht die Übernahmegelüste der österreichischen Polytec kritisch und will den Konzern in Eigenregie profitabler machen. Dazu will das Unternehmen auch Stellen streichen.

HB FRANKFURT. Mit einer Umorganisation und dem Abbau von rund 780 der 9 500 Stellen soll die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern auch bei geringen Umsatzzuwächsen bis 2009 auf fünf Prozent verbessert werden, wie Finanzchef Alois Ponnath am Montag in Frankfurt sagte. 2007 waren es 3,2 Prozent. In diesem Jahr werde das operative Ergebnis stagnieren.

Der Autozulieferer Polytec war im Januar mit zehn Prozent bei dem Sitze-Spezialisten aus Amberg eingestiegen und hatte den Vorstand mit der Ansage überrascht, Grammer kaufen zu wollen. Inzwischen habe es Gespräche mit Polytec-Chef Friedrich Huemer gegeben, sagte Vorstandschef Rolf-Dieter Kempis. Dieser habe ein Angebot von 16,50 Euro je Grammer -Aktie angedeutet - nicht mehr, als das im SDax notierte Papier an der Börse kostet. "Das ist ein unmoralisches Angebot", sagte Kempis. "Er soll ein gescheites Gebot vorlegen. Er hat die finanziellen Mittel." Ein Polytec-Sprecher sagte, Grammer sei mit 16 Euro je Aktie fair bewertet. Von einem Kaufangebot habe Huemer nicht gesprochen.

Auch strategisch sieht Grammer eine Übernahme skeptisch. Eine Fusion mit dem Kunststoff-Spezialisten würde den Konzern noch abhängiger von einzelnen Kunden wie BMW machen. "Das macht uns breiter, nicht stärker", sagte Kempis.

Vorerst will sich Grammer darauf konzentrieren, die magere Rendite der Autozuliefer-Sparte zu verbessern. Das Geschäft mit Kopfstützen und Mittelkonsolen trägt zwar fast zwei Drittel zum Umsatz bei, bringt aber nur ein Viertel des Gewinns. Im vergangenen Jahr brach das operative Ergebnis hier um mehr als die Hälfte ein, während Grammer mit Sitzen für Züge und Nutzfahrzeuge 43 Prozent mehr verdiente. Der Nettogewinn ging wegen des schwachen Dollar sowie steigender Rohstoff- und höherer Lohnkosten in Osteuropa um 17 Prozent auf 17,6 Mill. Euro zurück. Die Dividende soll dennoch mit 1,00 Euro konstant bleiben.

Für 2008 erwartet der Vorstand einen Umsatzzuwachs um drei Prozent auf 1,03 Mrd. (2007: 998 Millionen) Euro, 2009 sollen es 1,07 Mrd. werden. Beide Geschäftsbereiche seien mit einer guten Auftragslage gestartet, Wachstum sei vor allem außerhalb Europas zu erwarten. Durch Umstrukturierungen sollen bis Ende dieses Jahres 490 Stellen in der Produktion und 290 in der Verwaltung wegfallen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll damit 2009 auf mehr als 50 Mill. Euro klettern.

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