Möglicher Opel-Verkauf
„Beispiellose Verletzung sämtlicher Mitbestimmungsrechte“

Der deutsche Autobauer Opel könnte bald an Peugeot verkauft werden. Unter Politikern wächst die Sorge um Arbeitsplätze und die Zukunft des Unternehmens. Noch heftiger kritisiert die Gewerkschaft die Verhandlungen.
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Berlin/WiesbadenBundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) kritisiert die Verhandlungen des französischen Autobauers PSA Peugeot Citroën mit General Motors über einen Verkauf von dessen deutsche Tochter Opel. Die Gespräche seien ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat oder der hessischen Landesregierung geführt worden, sagte Zypries am Dienstag in Berlin am Rande der SPD-Fraktionssitzung. Das sei völlig inakzeptabel. Auch die Bundesregierung sei nicht informiert worden. General Motors stehe in der Verantwortung, insbesondere das Entwicklungszentrum in Deutschland zu belassen.

PSA sowie GM hatten am Dienstag Gespräche über einen Verkauf des GM-Europageschäfts an die Franzosen bestätigt. Zum Europageschäft von General Motors gehören Opel sowie die britische Schwestermarke Vauxhall. Die Konzerne loten verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, wie es hieß. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen.

Vertreter der Arbeitnehmer von Opel reagierten ebenfalls verärgert auf die Gespräche. Das wäre eine „beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“, erklärten IG Metall und der Opel-Gesamtbetriebsrat am Dienstag. „Ungeachtet dessen würden wir einen möglichen Verkauf von Opel/Vauxhall an PSA aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit PSA vorbehaltlos prüfen.“ Von den Berichten über einen möglichen Verkauf sei man überrascht worden.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hofft ebenfalls, dass eine mögliche Übernahme von Opel durch PSA keine negativen Folgen für das Werk in Kaiserlautern hat. Der Autobauer hat in Deutschland außerdem Standorte am Stammsitz Rüsselsheim sowie in Eisenach. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erklärte, es sei wichtig, „dass der Standort Rüsselsheim, die hiesigen Arbeitsplätze und das Entwicklungszentrum erhalten bleiben und dass Opel wettbewerbsfähig in einem globalen Markt bleibt“.

Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim bei Frankfurt gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. GM zöge sich mit einem Verkauf weitgehend aus Europa zurück, wo der Konzern seit Jahren rote Zahlen schreibt.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer warnte vor Auswirkungen eines Verkauf an Renault auf die deutschen Arbeitsplätze. „PSA würde natürlich die Kapazitäten überprüfen. Standorte wie Eisenach oder Kaiserslautern wären dann gefährdet“, sagt Dudenhöffer. Auch Stefan Bratzel von der FH Bergisch-Gladbach geht von Sparmaßnahmen im Falle einer Übernahme aus. „Wenn man effizienter wird, steht dahinter der Versuch, dies mit weniger Mitarbeitern zu schaffen“, sagte er dem Hessischen Rundfunk. Es müsse aber keinen Stellenabbau geben, wenn mehr Fahrzeuge verkauft werden könnten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich habe selten so dämliche Komentare gelesen wie von Herrn Marx und von Herrn Spiegel. Wenn Ihnen Deutschland in der jetzigen Form nicht gefällt, können Sie ja in das Reich von Herrn Trump auswandern. Viel Spaß dabei.

  • Die Gewerkschaften sind das Krebsgeschwür in D.
    Deren Bosse reine sich die Taschenfüller ... u. der Basis ne Trillerpfeife!!!

  • Was der Besitzer GM macht, geht jeden deutschen Politiker einen Dreck an.
    Sobald ein Politiker die Finger im Spiel hat, gibts Chaos ... DB, BER, Flughafen Hahn u. Kassel Kalden. Diese Politversager gehören weg.

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