Mol-Übernahme
Die Büchse der Pandora

Inzwischen haben sich auch die Politiker in Budapest in den Kampf Mol gegen OMV eingeschaltet. Sie bereiten ein Gesetz vor, das den Einfluss ausländischer Staatsunternehmen auf strategische Sektoren der ungarischen Wirtschaft begrenzen soll.

Wer von einer „Lex Mol“ redet, erntet damit bei Hernádi ein breites Grinsen. „Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet“, sagt er, und es klingt, als bräche damit nun alles Schlechte über die OMV herein, was die Ungarn so aufbieten können: Sie kaufen eigene Aktien mit geliehenem Geld zurück, sie suchen einen weißen Ritter, der Mol vor der Umklammerung aus Wien rettet, und sie präsentieren eine forcierte Wachstumsstrategie, die den Aktionären zeigen soll: Es geht ohne OMV. 300 Millionen Euro will Mol in den nächsten drei Jahren allein in die Raffinerie bei Százhalombatta stecken. Mehr Dieselkraftstoff soll hier, in der einst von russischer Hand erbauten Raffinerie, künftig hergestellt werden.

Auch die OMV ist aus der Sowjetischen Mineralölgesellschaft hervorgegangen. Und es könnte sein, dass hinter dem Kampf des kleineren Ungarn gegen den größeren Österreicher ein ganz Großer steht, der in aller Ruhe abwartet, bis einer der Kontrahenten gewonnen hat, um dann selbst ein aufgeräumtes Schlachtfeld zu besetzen: Megdet Rahimkulov.

Der Mann ist einer der reichsten Ungarn. Er stammt aus Moskau und kommt vom russischen Energieversorger Gazprom. Mit seinen Verkäufen von Mol-Aktien hat er die Österreicher erst in Stellung gebracht. Dass Gazprom die Energieversorgung in Mitteleuropa tatsächlich den Mitteleuropäern überlässt – daran glaubt weder in Wien noch in Budapest irgendjemand.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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