Monopolstellung wackelt
Deutscher Bahn droht Ärger beim Verkauf von Scandlines

Der geplante Verkauf von Scandlines Deutschland dürfte Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn weniger als erhofft in die Konzernkasse spülen. Denn Europas größte Fährreederei droht die langjährige Monopolstellung beim Hafen Puttgarden zu verlieren.

HAMBURG. So fordert ein norwegischer Konkurrent, dass Scandlines die land- und seeseitige Nutzung des Hafens für Wettbewerber öffnet, erfuhr das Handelsblatt aus Firmenkreisen. Er hat deshalb eine entsprechende Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht. „Wir prüfen derzeit die Beschwerde“, bestätigt eine Sprecherin des Kartellamts. Den Namen des Antragsstellers erwähnte sie nicht. Scandlines gehören alle Anteile am Hafen Puttgarden. Er ist einer der wichtigsten Eckpfeiler der Reederei. Denn im Fährverkehr zwischen Puttgarden und dem dänischen Rödby erzielt das Schifffahrtsunternehmen mehr als die Hälfte des Umsatzes von rund 530 Mill. Euro, heißt es in Firmenkreisen.

Sollte die Bahn-Tochter allerdings den Hafen in Puttgarden für Wettbewerber öffnen, drohen der Gesellschaft auf der Vogelfluglinie zwischen Deutschland und Dänemark Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe, heißt es in Firmenkreisen. Dies dürfte aber potenzielle Investoren abschrecken. Die Deutsche Bahn und der dänische Staat hoffen durch den Verkauf der Rostocker Fährreederei auf einen Erlös von mehr als 1,2 Mrd. Euro, heißt es in Bahn-Kreisen. Sie sind zu gleichen Teilen an Scandlines beteiligt. Die beiden Eigentümer wollen sich von ihren Beteiligungen trennen, da sie sich in den vergangenen Jahren auf kein gemeinsames Unternehmenskonzept einigen konnten. Sie haben deshalb vor kurzem Morgan Stanley und die Rothschild Bank mit dem Verkauf beauftragt.

Großes Interesse

Mehr als 40 strategische Investoren sowie Finanzhäuser haben bereits Interesse an einer Übernahme von Scandlines angemeldet. Dazu gehören unter anderem ein Konsortium um die Deutsche Seereederei (DSR) und Allianz Capital Partners sowie die Reedereien Stena Line und DFDS Seaways. Der Verkauf der Fährreederei soll im 2. Halbjahr erfolgen, heißt es in Bahn-Kreisen.

Mit der jetzigen Beschwerde könnte der Scandlines-Konkurrent beim Bundeskartellamt Erfolg haben. Denn bereits Ende 1999 hatte die Bonner Wettbewerbsbehörde der Rostocker Fährreederei untersagt, Konkurrenten eine Mitnutzung des Hafens in Puttgarden zu verweigern. Scandlines war daraufhin vor Gericht gezogen und hatte das Verfahren über mehrere Instanzen verfolgt. Am Ende wurde die Entscheidung des Kartellamts aber gerichtlich nicht bestätigt, weil der Kläger zwischenzeitlich pleite ging. „Die Untersagung kam nicht zum Zuge, weil der Beschwerdeführer Insolvenz anmeldete“, erklärte eine Sprecherin des Kartellamts.

Die Bahn hält sich zu dem Vorgang bedeckt. „Wir kommentieren keine schwebenden Verfahren“, sagt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage. Auch eine Scandlines-Sprecherin wollte sich hierzu nicht äußern. Sie bestätigt aber, dass die Fährverbindung zwischen Puttgarden und Rödby einer der umsatzstärksten Routen der Reederei ist. Scandlines transportiert jährlich mehr als 4,2 Mill. Pkw sowie mehr als 20 Mill. Passagiere. Die Gesellschaft beschäftigt europaweit rund 2 600 Mitarbeiter.

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