Morchio war als Agnelli-Nachfolger gehandelt worden
Märkte fürchten um Fiat-Zukunft

Die Antwort auf die völlig überraschende Nominierung des Agnelli-Vertrauten und Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo als neuer Fiat-Präsident kam prompt: Konzernchef Giuseppe Morchio, selbst als Thronfolger des am Donnerstag verstorbenen Umberto Agnelli gehandelt, nahm seinen Hut - und schockiert damit die Finanzwelt.

HB ROM. Der am Sonntag als neuer Fiat-Präsident und Nachfolger Agnellis ernannte Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo kündigte am Montag in Rom an: „Wir werden morgen ohne Umschweife einen neuen Fiat-Chef ernennen.“ In Unternehmenskreisen wurde Sergio Marchionne, ein Mitglied des Verwaltungsrates, als künftiger Geschäftsführer genannt.

Die italienischen Finanzmärkte reagierten schockiert auf den Rücktritt Morchios. Sie fürchten ohne diesen um die Zukunft des Traditionskonzerns. Der Kurs der Fiat-Aktie sackte an der Börse in Mailand zeitweise um mehr als drei Prozent ab.

Morchio, der in Bankenkreisen als Nachfolger Umberto Agnellis gehandelt wurde, hatte den Posten des Geschäftsführers 2003 übernommen. Damals befand sich der weltweit zehntgrößte Autohersteller mitten in der schwersten Krise der Firmengeschichte. Sein Sanierungsplan hatte innerhalb kürzester Zeit die Bilanzen aufgefrischt und die Hoffnung auf eine Genesung der Gruppe genährt.

Als Grund für seine Entscheidung gab Morchio an, die Bedingungen, weiter an dem Rettungsplan mitzuarbeiten, seien für ihn nicht mehr gegeben. Medien kommentierten, vielleicht habe der Ex-Pirelli-Chef zu viel Macht gewollt und auf die Doppelrolle als Präsident und Vorstandschef gehofft. Jedoch gibt es noch keine offizielle Erklärung, so dass Freiraum für wilde Spekulationen entsteht.

Morchio galt als der Macher, der die Sanierung des seit Jahren mit Problemen kämpfenden Autoherstellers vorantreiben und den Schuldenberg abtragen sollte. „Die Leere, die der Tod Umberto Agnellis hinterlassen hat, wurde zwar schnell ausgefüllt, jedoch hat sich gleich eine andere geöffnet. Schlimm und unerwartet“, brachte es die Zeitung „Corriere della Sera“ am Montag auf den Punkt. Im Zuge der Sanierung musste sich Fiat in den vergangenen zwei Jahren von zahlreichen, nicht zum Kerngeschäft zählenden Unternehmungen trennen.

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