Moskau-Besuch
Russland lockt Siemens

Siemens will in der Krise sein Russlandgeschäft ausbauen: Im Fokus haben die Münchner dabei vor allem den Energiebereich. In dieser Woche will Konzernchef Peter Löscher seine Russland-Pläne auch symbolisch unterstreichen – der Siemens-Chef wird sich in Moskau voraussichtlich am Dienstag mit Ministerpräsident Wladimir Putin treffen.

MÜNCHEN/MOSKAU. Anlässlich des Besuchs haben die Münchner die Unterzeichnung einer Reihe von Vorhaben geplant – unter anderem zum Thema Energieeffizienz. Löscher, der mit dem gesamten Vorstand anreist, wird auch eine Werksgründung bekannt geben, heißt es in Industriekreisen in Moskau. Siemens lehnte einen Kommentar dazu ab.

Im Mittelpunkt des Interesses dürften die Pläne der Münchner stehen, die Kooperation mit den Russen im Bereich der Atomenergie auszubauen. Nach dem Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Atomkonzern Areva spielt Siemens mehrere mögliche Partnerschaften durch, um das Atomgeschäft neu aufzubauen. Im November 2007 hatte Siemens bereits ein Absichtserklärung mit Rosatom über eine Kooperation im konventionellen Bereich unterzeichnet.

Löscher hatte indirekt Gespräche mit dem russischen Staatskonzern Atomenergoprom bestätigt. „Das ist aber nur einer von mehreren Partnern.“ Kritik daran, dass Siemens ausgerechnet mit einem ebenfalls sehr dominanten russischen Partner weitermachen wolle, ließ Löscher nicht gelten. Der Konzern sei seit mehr als 150 Jahren in Russland tätig. „Die kurzfristige Stimmungslage ist für uns nie maßgeblich für eine langfristige Geschäftsentscheidung.“

Ein Siemens-Sprecher in München sagte zum Moskau-Besuch: „Das ist ein sehr lange geplantes Event.“ In Konzernkreisen wird nicht damit gerechnet, dass in dieser Woche eine Kooperation im Nuklearbereich getroffen werden. „Dafür ist es noch viel zu früh.“ Aus Kreisen der russischen Atomindustrie hieß es, die Gespräch würden sich mindestens bis Mai ziehen.

Im Jahr 2006 hatte die russische Regierung ein ehrgeiziges Programm verabschiedet: Das Paket, für das der Staat 25 Mrd. Dollar bereit stellen will, sieht vor, bis 2015 mindestens zehn neue Kraftwerksblöcke ans Netz gehen zu lassen und den Bau von weiteren zehn zu beginnen. Damit nicht genug: Russland, das mit seinen 31 Meilern einer der größten Atomstromproduzenten der Welt ist, will auch im Export punkten und mittelfristig zwei Kernkraft pro Jahr im Ausland bauen.

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