Moskau im Expansionsfieber
Die Russen kommen

Der russische Stahlbaron Alexej Mordaschow ist mit seinen bald 32,2 Prozent beim weltgrößten Stahlkonzern Arcelor der erste Russe, der einen nennenswerten Anteil an einer der weltweiten Branchengrößen hält.

MOSKAU. So weit wie der erst 40 Jahre alte Milliardär ist noch kein russischer Geschäftsmann in die Weltwirtschaft vorgedrungen. Aber er dürfte nicht der einzige bleiben. Denn Moskauer Oligarchen drängen massiv gen Westen.

„Die Russen kommen“, titelte bereits das Moskauer Magazin „RBK“. Tatsächlich häufen sich die Nachrichten über den Einstieg russischer Konzerne bei ausländischen Konkurrenten. So hat der größte russische Ölkonzern Lukoil nicht nur mit Getty Petroleum ein großes Tankstellennetz in den USA übernommen sowie Raffinerien in Bulgarien, Rumänien, der Ukraine und Serbien, sondern nach Angaben von Vorstandschef Wagit Alekperow auch Appetit „auf Raffinerien und Tankstellennetze in Europa“. Immer wieder im Gespräch ist dabei die ehemalige Veba-Tochter Ruhr-Öl. Gerade hat Lukoil bei der kanadischen Nelson-Resorces und den russischen Aktiva des US-Ölkonzerns Marathon zugeschlagen.

Der vom Kreml kontrollierte Gasgigant Gazprom ist dabei, seine Beteiligung am deutsch-russischen Erdgashändler Wingas von 35 auf knapp 50 Prozent aufzustocken und hat erklärtermaßen Interesse an Centrica, dem größten britischen Gasversorger. Der weltgrößte Palladium-Produzent Norilsk Nickel hat für 1,2 Mrd. Dollar 20 Prozent am südafrikanischen Goldförderer Gold Fields erworben sowie für 341 Mill. Dollar die Mehrheit am US-Wettbewerber Stillwater Mining. Russkij Aluminii ist bereits von Australien bis Jamaika auf Einkaufstour gewesen. Der am russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP beteiligte Len Blavatnik hatte zuvor für 4,4 Mrd. Euro von BASF und Shell deren Petrochemie-Tochter Basell gekauft.

Die russische Expansion bleibt dabei keineswegs auf die Rohstoff-Riesen beschränkt. Die wohl prominenteste Übernahme im Westen durch Russen ist der dreistellige Millionen teure Kauf des Londoner Profiklubs FC Chelsea durch den Moskauer Milliardär Roman Abramowitsch. Außerdem hat der Kosmetikhersteller Kalina aus dem Ural die Mehrheit am deutschen Creme-Produzenten Dr. Scheller übernommen. Die russische Fluglinie Kras-Air will in Kürze die ungarische Malev kaufen. Der russische Reifenhersteller Amtel hat bereits den niederländischen Konkurrenten Vredestein vollständig geschluckt. Die Moskauer Alfa-Gruppe schlug bei 13 Prozent des türkischen Mobilfunkers Turkcell zu. Und der Moskauer Cognac-Hersteller Kin kauft französische Weinberge auf.

Seite 1:

Die Russen kommen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%