Moskau sucht mehr Einfluss
Russen lassen bei EADS nicht locker

Der Kreml will trotz der EADS-Ablehnung eine Beteiligung an der Unternehmensführung des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns erzwingen.

mbr BERLIN/MOSKAU. Man sei „verärgert über die schroffe Ablehnung der russischen Wünsche seitens der EADS-Führung“, erfuhr das Handelsblatt in Moskauer politischen Kreisen. Russland rechne sich „noch Chancen für einen politischen Kompromiss zwischen Russland, Deutschland und Frankreich aus“ – sogar noch in dieser Woche. Dabei soll Europa gegen die USA ausgespielt werden.

Die staatliche russische Vneshtorgbank hatte vorige Woche mitgeteilt, 5,02 Prozent der EADS-Aktien an europäischen Börsen gekauft zu haben. Die Russen streben eine Überkreuzbeteiligung zwischen ihrem neu gegründeten Flugzeugverbund OAK und der EADS an und verlangen eine Managementbeteiligung an der EADS. Dieses Ansinnen haben die EADS-Großaktionäre Daimler-Chrysler, Lagardère und der französische Staat aber schroff abgelehnt.

Der Kreml will dennoch nicht aufstecken: Bereits bei einem Treffen der russischen und französischen Präsidenten, Putin und Jacques Chirac, sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel am kommenden Sonnabend bei Paris strebt Moskau nach Handelsblatt-Informationen eine Lösung an: „Die Ablehnung durch den EADS-Direktorenrat bedeutet noch nicht, dass für Russland die Tür endgültig zu ist“, sagte ein russischer Top-Manager aus der Luftfahrtbranche. Ein Beschluss über die Order von bis zu 44 Flugzeugen der Typen Boeing-787 oder Airbus A-350 wurde am Freitag vom Aufsichtsrat der mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen Airline Aeroflot vertagt. Die Aeroflot-Führung will Boeing-Jets, die Regierungsvertreter im Aufsichtsrat favorisieren hingegen bisher Airbus. Aber: „Auf Drängen der Staatsvertreter wurde die auf der Tagesordnung stehende Frage über die Flugzeugbestellungen zurückgestellt“, sagte ein Beteiligter der Verhandlungen.

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