Moskauer Schiedsgericht bestätigt Steuerurteil
Steuerforderung in Milliarden-Höhe bedroht Yukos

Die russischen Steuerbehörden haben am Freitag im Streit mit Yukos über Steuernachzahlungen und Bußgelder in Höhe von rund 3,4 Milliarden Dollar Rückendeckung vom Moskauer Schiedsgericht bekommen.

HB MOSKAU. Vor einem Moskauer Gericht hat am Freitag zudem eine weitere Anhörung über die möglichen Steuernachzahlungen und Bußgelder des Ölkonzerns begonnen. Sollte das Gericht die hohen Steuerforderungen bestätigen, droht Yukos nach Unternehmensangaben der Konkurs.

Yukos scheiterte mit zwei Anträgen auf Vertagung, so dass das Gericht wie vorgesehen mit der Anhörung begann. Das Unternehmen wollte mit seinen Anträgen mehr Zeit in dem Verfahren gewinnen. Ein Berufungsgericht lehnte die Anträge jedoch ab. In einem Offenen Brief an Ministerpräsident Michail Fradkow hatte Yukos zuvor um einen zeitlichen Aufschub bei der möglichen Steuerzahlung gebeten. Auch war der Verkauf von Vermögenswerten angekündigt worden. Yukos zählt zu den größten Erdöl-Produzenten in Russland.

Der Konzern war bis vor kurzem vom russischen Milliardär Michail Chodorkowski geleitet worden, der seit Oktober vergangenen Jahres wegen des Vorwurfs des Betruges und der Steuerhinterziehung in Haft sitzt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag signalisiert, dass seine Regierung nicht an einem Zusammenbruch des angesichts der Betrugsvorwürfe und der Steuerforderungen angeschlagenen Ölkonzerns interessiert ist. Es werde alles Erdenkliche getan, um einen Konkurs von Yukos zu verhindern, hatte Putin gesagt.

Diese Äußerungen haben bei Analysten Hoffnung geweckt, dass eine Insolvenz von Yukos vermieden werden kann. „Die Regierung ist anscheinend zugänglich dafür geworden, dass Yukos seine Steuerschuld in Raten zahlen kann“, sagte Chef-Analyst Scott Semet von der MDM Bank in Moskau. „Aber das Verfahren ist noch nicht vorbei, und es können noch weitere Steuerforderungen auftauchen“, fügte er hinzu. Die Investmentbank Morgan Stanley stufte die Yukos-Aktien hoch. Es sei unwahrscheinlich, dass der Staat Yukos in die Insolvenz treibe und Vermögenswerte konfisziere.

Die am Donnerstag kräftig gestiegenen Yukos-Aktien legten am Freitag in einem freundlichen Marktumfeld um 1,6 % auf 8,45 Dollar zu. Nach den Äußerungen Putins waren die Papiere um knapp 35 % in die Höhe geschossen.

Ex-Konzernchef Chodorkowski drohen im Fall einer Verurteilung zehn Jahre Haft. Das Verfahren gegen ihn war am Mittwoch nach wenigen Stunden um eine Woche vertagt worden, da einer der Verteidiger erkrankte. Chodorkowski hatte die Politik von Präsident Putin kritisiert und den Eindruck erweckt, eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2008 zu erwägen. Das Vorgehen gegen Yukos und seinen ehemaligen Chef wird von vielen als Reaktion der russischen Führung auf mögliche politische Ambitionen Chodorkowskis gesehen. Putin hatte dagegen versichert, die Justizbehörden arbeiteten unabhängig.

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