Motorenhersteller optimistisch fürs gesamte Geschäftsjahr
Tognum baut auf Amerika

Der Dieselmotorenbauer Tognum will sich gegen schwache Dollar-Kurse besser absichern und plant daher den Bau eines weiteren Werks in den USA. „Es sind drei bis vier Standorte in der engeren Auswahl. In den nächsten Wochen fällt eine Entscheidung", sagte Tognum-Chef Volker Heuer dem Handelsblatt.

STUTTGART. Der schwache Dollar ist derzeit das größte Problem des ansonsten florierenden Unternehmens. Durch das neue US-Werk soll der lokale Anteil bei der nächsten Motorengeneration von derzeit sieben auf 35 Prozent steigen. Bis dahin muss Heuer mit Bordmitteln gegensteuern. So will Tognum 2009 in den USA die Preise um sieben Prozent erhöhen, während in Europa nur vier Prozent geplant sind. Bis Jahresende haben die Friedrichshafener den Dollar-Kurs zu 95 Prozent abgesichert, für 2009 bis zu 60 Prozent.

Der Hersteller großer, schnell laufender Dieselmotoren für Yachten, Lokomotiven, Panzer und Industrieanlagen erzielte in den USA im vergangenen Jahr mit bislang drei Werken 28 Prozent seines Umsatzes von 2,83 Mrd. Euro. Die Nachfrage im US-Geschäft sei aber robust, bis auf ein Nachlassen bei kleinen Yachten bis zu 20 Meter Länge. Der schwache Dollar belastete 2007 den Umsatz mit 80 Mill. Euro und das operative Ergebnis von 366 Mill. Euro mit rund 20 Mill. Euro.

Trotz des eingetrübten Gesamtumfelds bleibt Heuer für den Konzern im Gesamtjahr 2008 optimistisch: „Unsere Märkte sind weltweit intakt. Die Schwäche in den USA gleichen wir aus. Unser Ausblick für die nächsten Monate ist zuversichtlich.“

Bei den Halbjahreszahlen hatte er gesagt, dass man beim Wachstum am unteren Ende der Zielkorridore von 11 bis 13 Prozent beim Umsatz und von 13 bis 15 Prozent beim operativen Gewinn gegenüber dem Vorjahr liegen werde. Der Konzern ist vor kurzem in die Abgasbehandlung eingestiegen und erschließt sich damit die vierte Schlüsseltechnik nach Einspritzung, Elektronik und Turboaufladung.

An der jüngsten Präsentation des Unternehmens haben selbst Analysten wenig auszusetzen. Die Finanzmarktexperten erklären sich den schwachen Aktienkurs vor allem durch die Verunsicherung der Anleger. „Wenn es überall regnet und bei Tognum die Sonne scheint, dann haben Anleger eben Angst vor dem nächsten Gewitter“, sagt Albrecht Denninghoff von der BHF-Bank. Auch die Analysten der Commerzbank halten die Aktie für unterbewertet.

„Wir sind weltweit mit unseren schnell laufenden Dieselmotoren in 22 unterschiedlichen Anwendungen und auf allen Märkten der Welt vertreten“, versucht Heuer, die Bedenken auszuräumen, das Unternehmen stehe vor einem Abwärtszyklus. So breit sei kein Wettbewerber aufgestellt. Deshalb könne Tognum einzelne Absatzschwächen leichter ausgleichen.

Die größten Überschneidungen gibt es mit Caterpillar. Aber die Amerikaner haben einen sehr großen Anteil an Eigengeschäft, weil sie ihre Motoren in die konzerneigenen Produkte einbauen. MAN und Wärtsilä dagegen tummeln sich im Markt etwa für Antriebe von großen Tankern und damit oberhalb von Tognum.

Zuletzt hatte Tognum seine kleineren Sparten neu geordnet und die drei Töchter für Energieanlagen zusammengeführt. Der Bereich, der zuletzt 160 Mill. Euro Umsatz erzielte, erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von mehr als 20 Prozent.

Offen ist derzeit die Zukunft des Gelenkwellen-Geschäfts. „Es gibt derzeit Gespräche mit möglichen Käufern“, bestätigte Heuer. Bis zum Jahresende falle eine Entscheidung. Großkunde der Sparte ist Daimler. Tognum gehörte früher als MTU Friedrichshafen zum Stuttgarter Konzern, ging Ende 2005 aber für 1,6 Mrd. Euro an den Finanzinvestor EQT, der Tognum vor einem Jahr an die Börse brachte. Daimler hat sich im Frühjahr für 585 Mill. Euro wieder eine Sperrminorität bei Tognum gesichert, um das eigene Geschäft abzusichern. Tognum beliefert Daimler mit LKW-Motoren für rund 300 Mill. Euro, die dort umgebaut und weiterverkauft werden.

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