Motorsport
Raus aus der Boxengasse

Die harten Zeiten sind auch an der britischen Motorsportindustrie nicht spurlos vorbeigegangen. Doch inzwischen haben sie einen Ausweg aus der Krise gefunden. Wie die Branche den Weltmarkt dominiert und die Wirtschaftskrise abgeschüttelt hat.
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MILTON KEYNES. Gucken ist erlaubt, aber nur kurz - im Vorbeigehen. Besucher, die länger als ein paar Sekunden auf die Computerbildschirme starren, scheucht Steve Nevey gleich weiter. Er ist Entwicklungschef beim Formel-1-Rennstall Red Bull, der in diesem Jahr mit Sebastian Vettel Weltmeister in der Königsdisziplin des Motorsports wurde. Nevey und seine Leute arbeiten hier, in einem Glasbau am Rande der englischen Stadt Milton Keynes, an dem Wagen für die nächste Saison.

Aus 4 000 Einzelteilen besteht ein solches Auto. Einige der neuen Komponenten sind auf den Bildschirmen zu sehen. "Nicht fotografieren, weitergehen", fordert Nevey die Besucher auf und schiebt eine Entschuldigung hinterher: "Es sind Details, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und hier entsteht das Weltmeister-Auto von 2011."

Das Selbstbewusstsein der britischen Motorsportindustrie ist mindestens so groß wie ihr Hang zur Geheimnistuerei. In Milton Keynes und Umgebung, in der hügeligen Gegend zwischen London und Birmingham, ist das Zentrum der weltweiten Motorsportindustrie. Acht der elf Formel-1-Teams tüfteln hier an ihren neuesten Konstruktionen, darunter der Mercedes-Rennstall mit Michael Schumacher, McLaren und Williams. Auch ihre Zulieferer haben sich in der Region niedergelassen, Motor- und Getriebefirmen, Designberater, Elektriker, Fräsereien und Gießereien.

Allein die Herstellung der Formel-1-Fahrzeuge beschäftigt fast 8 000 Menschen. Rechnet man den Rennwagenbau für andere Meisterschaften hinzu, kommt man sogar auf rund 40 000 Stellen in mehr als 2 200 Betrieben, die jährlich insgesamt fünf Milliarden Pfund umsetzen. Motorsport Valley bezeichnen Experten diese Region oder das Silicon Valley der PS-Branche.

Vor sechs Jahren hat der Getränkehersteller Red Bull den Rennstall in Milton Keynes übernommen und mit Millioneninvestitionen auf Erfolg getrimmt. Unter dem Vorbesitzer Ford, dümpelte das Team vor sich hin. "Zehn Designer waren wir am Anfang mal", erzählt Nevey, "180 sind wir jetzt." Hinzu kommen alle jene, die die Designideen mit Hilfe einer speziellen Siemens-Software umsetzen; die die Bauteile fräsen, stanzen, gießen lassen und zusammenbauen. Insgesamt 560 Leute beschäftigt Red Bull in Milton Keynes.

Wie viel dieser Aufwand kostet, darüber verliert Nevey kein Wort. Nur soviel ist klar: Die Krise der Weltwirtschaft hat auch den Motorsport verändert. Die Formel 1 hat das Sparen entdeckt. Einen Rennstall zu betreiben, ist in den vergangenen drei Jahren billiger geworden. Testfahrten während der Saison sind verboten, die Zahl der Getriebe und andere Etatposten sind beschränkt. 40 Millionen Euro sollen jedem Team pro Saison ausreichen, um einen Rennwagen zu bauen. Vor wenigen Jahren gaben Ferrari und McLaren das Achtfache aus.

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  • der Gute man heißt Adrian und nicht Steve!

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