MTU legt zu
A320neo schiebt Geschäft des Triebwerksbauers an

Der Triebwerksbauer MTU macht deutlich mehr Gewinn, auch wenn das Umsatzziel verfehlt wird. Das MDax-Unternehmen profitiert dabei von der Verspätung des neuen Airbus-Mittelstreckenjets A320neo.

MünchenBoomende Geschäfte mit der Wartung ziviler Flugzeugantriebe und der starke Dollar schieben den Triebwerksbauer MTU an. Der Überschuss stieg im vergangenen Jahr mit 21 Prozent auf 307 Millionen Euro stärker als geplant, wie MTU am Dienstag mitteilte. „Umsatz und Gewinn sind höher als je zuvor“, sagte Vorstandschef Reiner Winkler in München. Allerdings blieb das Umsatzwachstum 2015 wegen der Verzögerung bei Triebwerksauslieferungen hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Jahr rechnet Winkler mit einem beschleunigten organischen Wachstum. „Die durchweg positiven Marktindikatoren erlauben es uns, die Messlatte für 2016 wieder ein Stück höher zu legen.“

Der Münchner Konzern profitiert davon, dass die Flugzeugbauer besonders jene Modelle gut verkaufen, an deren Triebwerken MTU beteiligt ist. Darunter sind Großraumflieger wie Airbus A380 und Boeing 787 Dreamliner sowie die Mittelstreckenmaschinen der Reihe A320neo. Zudem wachse der Markt für diejenigen Triebwerke, die MTU bei Kunden instand halte, überdurchschnittlich stark, erklärte Winkler. Das Wartungsgeschäft mit Zivilmaschinen blieb mit einem Umsatzanstieg von 22 Prozent auch 2015 der Wachstumstreiber des Konzerns. Dass die Aufträge in Dollar abgerechnet werden, verlieh MTU in Euro zusätzlichen Schub.

Zugute kam MTU, dass die Auslieferung des A320neo erst 2016 anlief. Triebwerkshersteller verdienen inzwischen vor allem an Ersatzteilen und Wartung und weniger an Triebwerken für neue Flugzeuge.

Das Umsatzwachstum blieb im abgelaufenen Jahr allerdings hinter den Markterwartungen und auch hinter dem eigenen Ziel zurück. In Aussicht gestellt hatte Winkler noch im Herbst 4,6 Milliarden Euro. Weil sich aber die Auslieferung von Triebwerken verschob, kann MTU einzelne Aufträge erst 2016 abrechnen und fuhr deshalb 2015 lediglich ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro ein. Zur Begründung nannte Winkler logistische Probleme beim Partnerkonzern Pratt & Whitney.

Die Umsatzentwicklung überschattete am Aktienmarkt die ansonsten positiv bewertete Bilanz. Die MTU-Titel brachen um sechs Prozent auf 76 Euro ein und waren damit Schlusslicht im Nebenwerte-Index MDax. Auf den Umsatz werde derzeit besonders geachtet, sagte ein Börsianer. DZ-Bank-Analyst Alexander Hauenstein sprach dagegen von überzeugenden Zahlen. „Wir sehen Aufwärtspotenzial bis zu unserem fairen Wert von 100 Euro.“ Im laufenden Jahr hat die MTU-Aktie ähnlich stark verloren wie der gesamte MDax.

Für 2016 stellte Winkler ein Umsatzwachstum um vier bis sechs Prozent auf 4,6 bis 4,7 Milliarden Euro in Aussicht. Die Gewinne sollten in gleichem Maße steigen. Dem liege ein Kurs von 1,10 Dollar je Euro zugrunde, mit nennenswerten Wechselkurseffekten rechne er nicht mehr, sagte der Vorstandschef. Damit werde das Wachstum aus eigener Kraft im laufenden Jahr stärker ausfallen als bisher. 2015 habe der Konzern vor Währungseinflüssen um zwei bis drei Prozent zugelegt. Der Auftragsbestand kletterte im Schlussquartal nochmals, so dass MTU nun für fast drei Jahre ausgelastet ist.

Agentur
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