Müde Aktionäre
Daimler steckt im Reformstau

Es ist die Faszination des Sterns. Noch immer. Verbunden mit dem Versprechen von höchster Zuverlässigkeit und unaufdringlicher Eleganz. Echt und ein wenig edel, strahlend aber in all den Jahren.

Doch drängeln sich die Aktionäre von Daimler-Chrysler im Internationalen Congress Centrum zu Berlin nur um das, was Träume von einer besseren Zukunft oder den Prunk vergangener Tage hat: Die vielen netten Damen setzen sich in die R-Studie – das könnte eine gute Familienkutsche sein. Die vielen grauhaarigen Herren sind vor dem alten Pullmann zu finden, der mit dem klassischen Kühlergrill. Die Gegenwart mag kaum einer besichtigen. Dodge, Chrysler, Smart? Dann doch lieber Maultaschen.

Überall in der Welt ist der Stern auch ein deutsches Symbol, trotz der Fusion mit Chrysler. Zu Recht. Die Hauptversammlung der Daimler-Chrysler AG am Mittwoch in Berlin ist wie ein Spiegelbild der Bundesrepublik im Jahre 2005. Oben, da sitzen die Lenker. Sie rauchen gute Zigarren und trinken abends guten Rotwein. Hört man ihnen tagsüber zu, ist alles schön in Bewegung. Hinter ihnen ist es immer blau, wie der Himmel, der ja so oft die einzige Grenze sein soll. Unten aber sitzt das Volk, hinter engen, nackten Tischen. Da passiert wenig.

Den Tag der Abrechnung hatte Jürgen Schrempp manch einer versprochen. Stattdessen regt sich kaum ein Laut in der riesigen Halle. Emotionslos, fast apathisch nehmen die Aktionäre die Rede von Jürgen Schrempp hin. „Wir haben das Gewinnziel für den Konzern erreicht“, sagt er. Die Ausschüttung liege im „Dax-Vergleich in der Spitzengruppe“. Und: „Mercedes-Benz ist die wertvollste Premium- und Luxusmarke der Automobilindustrie.“ Dass der Oberlenker mit dem Aktienkurs nicht zufrieden ist, hat er öfter gesagt. Und dass die wirtschaftliche Situation bei Smart „nicht akzeptabel“ sei.

Es geht voran, alles wird gut unter dem Sternen-Himmel. Schrempp sagt das seit Jahren. Man kennt es so auch aus Berlin. Auch dort mag keiner mehr hinhören.

Die Stimmung schlägt sich auf der Bühne nieder, der Rest der Regierungsmannschaft ist nicht sonderlich bei der Sache. Links von Schrempp scherzen „Mr. Chrysler“ und „Ex-Mr. Mercedes“, Dieter Zetsche und Jürgen Hubbert, dessen Ära als Vorstand endet. 40 Jahre Mercedes, Hubbert scheint ob der Umstände froh, dass es vorbei ist. Das liegt auch an dem Mann, der direkt neben ihm sitzt. Eckhard Cordes, der nun genau dort aufräumen soll, wo Hubbert jahrelang den Ton angab: bei Mercedes. Cordes gilt als Vasall Schrempps und dessen potenzieller Nachfolger, er ist einer, der einspringt, wenn es brennt. Es brennt im Hause Schrempp.

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