Müller lehnt Zerschlagung ab
NRW zögert noch mit Ja zum RAG-Börsengang

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat weiterhin Vorbehalte gegen einen Börsengang des Essener RAG-Konzerns, aber sie sperrt sich nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben.

DÜSSELDORF. Das Land und die Bundesregierung wollen ihre endgültige Zustimmung von dem Ergebnis eines weiteren Gutachtens abhängig machen, das bis zum Jahresende vorliegen und die Werthaltigkeit des gesamten RAG-Konzerns ermitteln soll. „Ich stelle nicht den Börsengang in Frage, sondern ich stelle Fragen zum Börsengang“, sagte Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) in Düsseldorf.

RAG-Chef Werner Müller warb gestern vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags um Unterstützung der Politik für seinen Börsenplan. „Andernfalls muss der Konzern bei einem Ende des Bergbaus aufgelöst werden und die Öffentliche Hand die über den Erlös hinausgehenden Folgekosten tragen“, sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister. Laut einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sei für Folgekosten und Altlasten des Bergbaus keine so genannte Durchgriffshaftung auf die Anteilseigner Eon, RWE und Thyssen-Krupp möglich, betonte Müller. „Das heißt, dass das Land NRW und der Bund für alles aufkommen müssten, was nicht durch den Wert der bergbaufernen RAG-Sparten Immobilien, Energie und Chemie gedeckt ist.“

Wenn der Wert des Konzerns nicht weiter gemindert, sondern gesteigert werden solle, gebe es zum Börsengang keine Alternative, sagte Müller. Wegen des bestehenden Haftungsverbunds müsse der so genannte weiße Bereich der RAG im nächsten Jahr ein Defizit bei der Kohle in Höhe von 300 Mill. Euro ausgleichen. Daher plädiert Müller für die Überführung des Bergbaus in eine Stiftung und die Finanzierung der Bergabaltlasten aus dem Erlös des Börsengangs. Bund und Land wollen dagegen zunächst Alternativen prüfen.

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