Münchener Konzern geht auf Konfrontationskurs
Siemens will gegen Alstom-Staatshilfe klagen

Der Münchener Siemens-Konzern plant eine Klage gegen den staatlichen Rettungsplan für den französischen Konkurrenten Alstom.

HB DÜSSELDORF. "Der Zentralvorstand ist sich einig, im Zweifelsfall wird geklagt", hieß es am Mittwoch in Schanghai am Rande einer Vorstandssitzung. Der Vorstand lasse bereits von Rechtsanwälten in Brüssel prüfen, ob eine Klage möglich ist, hieß es. Damit geht Siemens jetzt auf Konfrontationskurs.

Wettbewerbskommissar Mario Monti und der französische Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy haben sich zuvor auf eine Rettung des schwer angeschlagenen Alstom-Konzerns geeingt. Offenbar werden die staatlichen Hilfen im Grundsatz und unter lediglich moderaten Auflagen genehmigt. Das Rettungspaket hat ein Volumen von mindestens 3,2 Mrd. Euro, möglicherweise kommen noch weitere Hilfen hinzu.

Der Münchener Konzern hatte sich Hoffnungen auf einen Einstieg bei Alstom gemacht. Insbesondere das Geschäft mit Turbinen für die Energieversorgung wäre interessant. Zusammen würden beide Konzerne weltweit beherrschend. Auch in der Verkehrstechnik sind die beiden Unternehmen harte Konkurrenten, unter anderem bei Großaufträgen in China. Zuletzt hatte Siemens eine Verzerrung des Wettbwerbs durch die Milliardenhilfen für Alstom beklagt.

Das will Siemens offenbar nicht mehr hinnehmen. Bisher hatte sich Konzernchef Heinrich von Pierer mit Äußerungen sehr zurückgehalten und lediglich betont: "Wir liegen nicht auf der Lauer." Eine Klage gegen den Rettungsplan hätte aber voraussichtlich keine aufschiebende Wirkung. Eine endgültige Entscheidung über das weitere juristische Vorgehen soll schon in der kommenden Woche fallen. Zudem soll es ein Spitzentrefen zwischen Politikern sowie Unternehmensvertretern aus Frankreich und Deutschland Anfang Juni geben, hieß es.

Im Bereich Mobilfunknetze gab Siemens überdies bekannt, dass auch künftig ein schnelleres Wachstum als der Markt geplant ist. "Unser Ziel ist es, weiter stärker als der Markt zu wachsen und unsere Führungsposition bei UMTS auszubauen", sagte das Mitglied des Bereichsvorstandes der Mobilfunksparte ICM, Lothar Pauly, am Mittwoch.

Der Technologiekonzern habe seinen Marktanteil bei Mobilfunknetzen im Vergleich zum Jahr 2000 nahezu verdoppelt. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner lag Siemens im vergangenen Jahr bei den Mobilfunknetzen gemessen am Auftragswert mit einem Marktanteil von 13 % weltweit an Position 3.

Im Vorjahr lag der Marktanteil laut einem Sprecher bei 11 %. Nach dem Zuwachs sei das Unternehmen laut Gartner nun bis auf einen Prozentpunkt an die Nummer 2, die Nokia Oy, herangerückt.

An der Spitze liege die Telefon AB LM Ericsson mit 26 %. Bei der GSM-Mobilfunktechnik liege der Marktanteil des Konzerns bei 19 % (Ericsson 31 %/Nokia 20 %) und bei der UMTS-Netztechnik bei 23 % (31 %/25 %). Insgesamt hätten die Mobilfunkbetreiber der Gartner-Studie zufolge, die laut Siemens auf diesem Sektor erstmals veröffentlicht wurde, im vergangenen Jahr mit 40 Mrd USD 12 % weniger als im Vorjahr investiert.

Siemens hat im Geschäftsgebiet Mobilfunknetze im 2. Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 (30. September) eine Umsatz von 1,163 (Vj 1,067) Mrd. Euro sowie ein operatives Ergebnis von 76 (44) Mill. Euro erzielt.

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