Münchener Mittelständler plant die größten Pipelines der Welt
ILF behauptet sich gegen übermächtige US-Konkurrenz

Wenn Adolf Feizlmayr mit seiner Hand über die Karte fährt wirkt das, als ob ein freundlicher älterer Herr einem den Weg erklärt. Aber es handelt sich nicht um U-Bahnlinien, sondern um Pipelines auf der Weltkarte. Und dort kennt sich der 67-jährige Ingenieur bestens aus. Mit seinem Partner Pius Lässer plant er seit über 30 Jahren Wasserleitungen, Pipelines und Tunnels.

MÜNCHEN. Die beiden gründeten 1967 die Ingenieursgemeinschaft Lässer Feizlmayr (ILF), nachdem sie im Auftrag des US-Konzerns Bechtel an der Transalp Pipeline von Triest nach Bayern mitarbeiteten. „Das können wir auch, haben wir gedacht“, erinnert sich Feizlmayr an die Anfänge. Inzwischen ist daraus eine Firma mit 700 Mitarbeitern, 60 Mill. Euro Umsatz und zweistelliger Umsatzrendite geworden.

Wichtigster Auftrag ist das derzeit weltweit größte Pipeline-Projekt von der Aserbaidschanischen Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer über Tiflis zum türkischen Mittelmeer-Hafen Ceyhan. „Wir haben immer gute Chancen, wenn die technischen Probleme groß sind“, sagt Feizlmayr. Auch bei der 1760 Kilometer langen und 1,4 Mrd. $ teuren Strecke hat die ILF mit dem 1 100 Kilometer langen türkischen Teil den schwierigeren Part erwischt. Den leichteren baut dagegen der viel größere ehemalige Auftraggeber Bechtel. Das Öl muss auf bis zu 2 800 Meter über dem Meeresspiegel gepumpt werden, mitten durch anatolisches Erdbebengebiet und Eis und Schnee im Winter. Ab Mai 2005 sollen täglich eine Million Barrel Rohöl durch die Leitung fließen.

Besonderes Know-how haben die Münchener Ingenieure, wenn es um die Erstellung von Risikoprofilen geht. Entscheidend ist die Zahl der teuren Pumpstationen und Verschlüsse, die manchmal mitten in unbewohnten Gegenden gebaut werden müssen. „Das ist immer eine schwierige Abwägung zwischen Kosten und Risiken für die Umwelt“, sagt der erfahrene Ingenieur und freut sich, „bei uns ist noch nie richtig etwas schief gegangen.“

Und dabei hat sich die ILF immer an anspuchsvollere Projekte gewagt - sei es nun eine geschlossene Wasserleitung von den Entsalzungsanlagen im Persischen Golf bis zur über 600 Meter hoch gelegenen saudischen Stadt Riadh oder den Alpentunnels durch den Arlberg oder Gotthard. Auch beim Kanaltunnel, oder der Gas-Pipeline in Oman hat die ILF schon mitgeplant. Weltweit sind so schon 2000 Projekte zusammengekomen unter anderem auch im Irak. Doch dort werden wohl nach dem Krieg nur politisch gut verdrahtete US-Firmen wie eben Bechtel zum Zuge kommen, befürchtet Feizlmayr. Große Politik spielt immer mit hinein. Bei neuen Projekten in Russland und China muss die ILF warten, bis sich die Politik über die Streckenführung einigt. „Es wird nicht immer die sinnvollste Lösung gewählt“, zuckt Feizlmayr mit den Achseln. Aber in einer Welt, in der Kriege um den Zugang zum Öl geführt werden, muss er noch damit leben. Für die Nachfolge im Familienunternehmen stehen unter anderen Lassers Söhne bereit.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%