Münchner könnten Einzelteilen interessiert
Frankreich hofft im Fall Alstom auf Siemens

Im französischen Finanzministerium wird laut einem Zeitungsbericht eine Allianz zwischen Alstom und dem Siemens-Konzern als Alternative zum Einstieg Frankreichs beim Pariser Technologiekonzern ins Auge gefasst.

HB MÜNCHEN. Frankreich sucht derzeit mögliche Alternativen zu der geplanten staatlichen Kapitalspritze für Alstom, die in Brüssel auf Bedenken stößt. Die französische Regierung hofft nun laut Medienberichten auf ein Bündnis des Konzerns mit Siemens. Die Münchner wollten sich zu den erneuten Gerüchten nicht äußern. „Das kommentieren wir nicht“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. In Branchenkreisen gilt es allerdings als wenig wahrscheinlich, dass Siemens direkt bei Alstom einsteigt. Allerdings könnten die Münchner an weiteren Einzelteilen interessiert sein. Sie haben bereits für gut eine Milliarde Euro das Industrieturbinen-Geschäft von Alstom übernommen.

Die Wettbewerbshüter in Brüssel befürchten, der geplante Einstieg des Staats bei Alstom könnte eine versteckte Staatsbeihilfe sein. Paris will die Hälfte der Kapitalerhöhung von 600 Mill. € für den existenzbedrohten Konzern finanzieren. Der Pariser „Le Figaro“ hatte ohne Quelle berichtet, zu den Planspielen des französischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums gehöre ein Zusammengehen von Siemens und Alstom. Das Ministerium und die Führungsspitzen der beiden Unternehmen würden ernsthaft erwägen, „eine deutsch- französische Achse für Transport und Energie zu schaffen.“

Branchenkenner zweifeln

In Branchenkreisen gilt es - unabhängig von Kartellproblemen - als unwahrscheinlich, dass Siemens die Kapitalerhöhung anstelle des französischen Staates tragen könnte. „Das würde Siemens wohl nur machen, wenn gesichert ist, dass man in ein oder zwei Jahren die Mehrheit übernehmen kann“, sagte ein Branchenkenner. Es gilt aber als ebenso unrealistisch, dass sich die Franzosen auf eine solche Lösung unter deutscher Führung einließen. Zudem würde Siemens bei einem direkten Einstieg eine Reihe von nur schwer kalkulierbaren Risiken eingehen. Größere Übernahmen werden derzeit von den Kapitalmärkten nicht goutiert.

Siemens beobachtet die Situation bei dem französischen Konkurrenten dennoch genau. „Alstom hat viele Teile, die für Siemens interessant sind“, ist Merck-Finck-Analyst Theo Kitz überzeugt. Weitere Stücke aus der Alstom-Energiesparte gehörten genauso dazu wie die Alstom-Verkehrstechnik mit dem Hochgeschwindigkeits-Zug TGV. Gerade im Verkehrs-Bereich seien aber kartellrechtliche Probleme bei einer möglichen Übernahme zu erwarten. In Siemens-Unternehmenskreisen heißt es zudem, es gebe derzeit auch im Energiebereich keine Verhandlungen mit Alstom wegen möglicher weiterer Übernahmen.

Siemens fühlt sich in den betroffenen Geschäftsfelder in jedem Fall schon jetzt gut aufgestellt. Daher ist vor allem die französische Seite am Zug. Hier ist der Zeitdruck groß. Schon in den nächsten Tagen muss eine Lösung gefunden werden. Die französische Industrieministerin Nicole Fontaine räumte dabei am Donnerstag ein, angesichts des Streits mit Brüssel müsse die Regierung ihren Rettungsplan für Alstom modifizieren. „Wir bitten die EU-Kommission nur um etwas Geduld“, sagte Fontaine. Frankreich gehe es darum, „110 000 Arbeitsplätze zu retten, nicht nur französische, sondern europäische. Wer könnte uns das vorhalten?“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%