Münchner Konzern will Turbinenbau des französischen Konkurrenten übernehmen
Siemens macht sich Hoffnung auf Alstom

Bei der Siemens AG in München wächst die Zuversicht, das Turbinengeschäft des angeschlagenen französischen Energie- und Verkehrstechnik-Konzerns Alstom zu übernehmen. „Die Chancen für eine Genehmigung durch die EU-Kommission stehen gut“, hieß es gestern aus Siemens-nahen Kreisen.

BRÜSSEL. Im Gespräch sei die Bildung einer gemeinsamen Tochtergesellschaft. Als möglicher Kaufpreis für die Gas- und Dampfturbinen von Alstom wird ein Betrag von rund 3 Mrd. Euro genannt.

Vor einer Übernahme weiterer Filetstücke des konkursbedrohten Unternehmens schreckt Siemens laut den Kreisen zurück. Die Haftungsrisiken bei Alstom seien sehr groß, hieß es. Daher sei auch der Versuch einer feindlichen Übernahme des gesamten Konzerns nie ernsthaft erwogen worden. Offiziell nimmt der Siemens-Konzern zum Fall Alstom nicht Stellung.

Am vergangenen Montag hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti während eines Gesprächs mit dem französischen Finanzminister Nicolas Sarkozy den Einstieg von Siemens bei Alstom als denkbare Option bezeichnet. Monti hat mehrmals unterstrichen, die Beteiligung eines Privatinvestors an der Restrukturierung des konkursbedrohten französischen Unternehmens sei ordnungspolitisch die beste Lösung.

Die Regierung in Paris lehnt den Einstieg der Münchner Konkurrenz nicht grundsätzlich ab, strebt aber weiterhin ein rein französisches Modell an. Die staatliche Nuklear-Holding Areva soll auf jeden Fall den Schnellzug TGV übernehmen. In diesen Tagen treten die Verhandlungen zwischen Brüssel und Paris in die entscheidende Phase.

Widerstände gegen eine Beteiligung von Siemens sind allerdings von den Fusionskontrolleuren der Brüsseler Wettbewerbsbehörde zu erwarten. Montis Generaldirektor, der Brite Philip Lowe, hatte während des Treffens mit Sarkozy am vergangenen Montag ausdrücklich auf die fusionsrechtlichen Probleme eines deutsch-französischen Turbinenbauers aufmerksam gemacht. Denn Siemens, Alstom und der US-Konzern General Electric (GE) dominieren weltweit die Herstellung großer Industrie-Turbinen. Ihr gemeinsamer Marktanteil liegt bei rund 75 %.

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