Münchner Magnetbahnprojekt
Transrapid kommt mit dem Prinzip Hoffnung

Kurz vor seinem Abgang hat der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber das Münchner Transrapidprojekt angeschoben - auf dem Papier zumindest. Denn der Vertrag, den er mit der Bahn und den Lieferanten geschlossen hat, basiert auf gleich zwei Unbekannten - und die Stadt München, die den Superzug nicht will, spielt auf Zeit.

HB MÜNCHEN. Stoiber und der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) stellten die Details der » Finanzierungsvereinbarung am Dienstag vor. Sie basiert auf einer Kostenschätzung aus dem Jahr 2002, die Ausgaben über 1,85 Milliarden Euro für die Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen prognostiziert. 165 Millionen Euro dieser Summe waren zuletzt noch offen.

Nach den Worten Stoibers wird die Lücke wie folgt geschlossen: Die Bahn lässt sich das Projekt 50 Millionen Euro mehr kosten und dafür nun 235 Millionen Euro aufwenden. Die Transrapid-Lieferanten Thyssen-Krupp und Siemens ließen jeweils 25 Millionen Euro für die Lieferung der Technik nach. Von einem Nachlass der drei beteiligten Baufirmen - Max Bögl, Hochtief und Bilfinger Berger - ist nicht die Rede. Der Freistaat Bayern lege 15 Millionen Euro obendrauf und zahle damit 490 Millionen Euro. Der Bund hatte 925 Millionen Euro zugesagt.

Die noch fehlenden 50 Millionen Euro sollen aus Brüssel kommen: Bayern hofft auf einen entsprechenden Zuschuss der Europäischen Union. Eine Zusage dafür hat der Freistaat allerdings noch nicht. Kritiker bemängeln zudem, das gesamte Finanzierungskonstrukt stehe auf tönernen Füßen, weil es auf vier Jahre alten Schätzungen beruhe. Der Bund Naturschutz wandte am Dienstag ein, inzwischen seien die Kosten deutlich gestiegen. Der Transrapid werde bis zu einer halben Milliarde Euro teurer als veranschlagt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach von einem „Abschiedsgeschenk“ für den scheidenden Stoiber aus öffentlichen Mitteln. Der Bau des Transrapids werde zulasten des öffentlichen Nahverkehrs gehen, wo das Geld „an allen Ecken und Enden“ fehle. Zudem sei es fragwürdig, ob sich die EU tatsächlich mit 50 Millionen Euro an dem Projekt beteilige.

Das Transrapid-Konsortium unterstrich am Dienstag seine Bereitschaft, Strecke und Wagen zu einem Festpreis zu liefern. Sprecher Henner Mahlstedt betonte, in der Realisierungsvereinbarung sei von Gesamtkosten von 1,85 Milliarden Euro die Rede. Diese Summe solle auch eingehalten werden. Ob sich die Industrie auf 1,85 Milliarden Euro festlegen lassen werde, sagte Mahlstedt nicht.

Mit dem Bau der Strecke in München soll nach Angaben Stoibers im Sommer nächsten Jahres begonnen werden. Der bayerische Ministerpräsident versicherte, kein Euro für den Bau der Transrapid-Strecke gehe zu Lasten der Mittel für den öffentlichen Nahverkehr in Bayern. Stoiber sprach von einem „Leuchtturm-Projekt“ deutscher Hochtechnologie.

Die Stadt München, die statt der Magnetbahn eine Express-S-Bahn bevorzugt, winkt unterdessen mit dem juristischen Zaunspfahl. Der Transrapid-Koordinator der Kommune, Klaus Dengler, sagte: „Wenn eine Baugenehmigung erteilt werden sollte, wird sich die Stadt München vorbehalten, dagegen zu klagen. Und wir alle wissen: Derartige Klagen können sehr lange dauern.“

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