Multilaterales Rüstungsprojekt
EADS warnt vor Kürzungen beim Eurofighter

Angesichts politischer Forderungen nach einer Überprüfung von Rüstungsprojekten hat der Luftfahrtkonzern EADS vor erheblichen Konsequenzen gewarnt. Auch die IG Metall zeigte sich erbost angesichts des SPD-Vorstoßes. Die Gewerkschaft fürchtet um den Verlust von Arbeitsplätzen, sollte es zu Kürzungen beim Eurofighter kommen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Angesichts politischer Forderungen nach einer Überprüfung von Rüstungsprojekten hat der Luftfahrkonzern EADS vor erheblichen Konsequenzen gewarnt. "Ich gehe davon aus, dass Deutschland beim Eurofighter vertragstreu ist", sagte der Chef der EADS-Rüstungssparte, Stefan Zoller, dem Handelsblatt. "Ein Ausstieg aus laufenden Projekten würde extrem hohe Kosten verursachen."

Die IG Metall warnte vor einem massiven Stellenverlust bei EADS und deren Zulieferern, sollte es zu Produktionskürzungen kommen. "Würde die dritte Tranche nochmals erheblich reduziert, hätte dies Auswirkungen auf die Arbeitsplätze", schreibt zweite Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt, Bernhard Stiedl, in einem Handelsblatt.com vorliegenden Brief an den SPD-Abrüstungsexperten Rolf Mützenich. Mützenichs Position trage nicht zur Sicherung der rund 5 000 Arbeitsplätze bei, die in Deutschland bei EADS und den Zuliefererfirmen von der Fertigung des Eurofighters abhingen. In Deutschland wird der Eurofighter am EADS-Standort Manching bei Ingolstadt montiert.

Mützenich hatte zuvor gegenüber Handelsblatt.com gefordert, angesichts der Finanzkrise auch die Rüstungsplanung für Projekte wie den Eurofighter oder die den Militärtransporter A400 M auf den Prüfstand zu stellen.

EADS verhandelt derzeit mit den beteiligten Ländern über die dritte Liefertranche beim Eurofighter. In den Gesprächen hat das Unternehmen davor gewarnt, dass es zu einer Produktionsunterbrechung komme, sollte die Politik die vereinbarte Bestellung der dritten Tranche nicht noch im ersten Quartal unterzeichnen. Wegen akuter Finanznöte würde etwa die britische Regierung ihre Bestellung gerne reduzieren. Aus Sicht der Industrie haben sich die Regierungen mit den Verträgen aber zur Abnahme von insgesamt 660 Eurofighter verpflichtet.

"Die Beschäftigten der EADS Deutschland GmbH und deren Zuliefererfirmen sind wegen der immer wieder angefachten Diskussion um den Eurofighter stark verunsichert. Damit die Arbeitsplätze gesichert bleiben, darf es deshalb zu keiner Unterbrechung der Produktion der dritten Tranche kommen", heißt es in dem Schreiben des IG-Metallers Stiedl weiter. Nach Angaben des Gewerkschafters hat die Bundesregierung die ursprünglich geplante Gesamtbestellung von 250 Eurofighter bereits auf 180 reduziert.

Vor diesem Hintergrund fordert Stiedl die Einhaltung von politischen Zusagen. Er verweist dabei auf ein Gespräch am 23.Oktober 2008 zwischen dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der EADS Deutschland, Helmuth Hohenstatter, dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, und dessen Vize Walter Kolbow. Damals sei die politische Unterstützung für die Splittung der dritten Tranche des Eurofighter in zwei Teile zugesagt worden, schreibt Stiedl.

EADS-Chef Louis Gallois bekannte sich indessen zum zweiten großen multilateralen Rüstungsprojekt, dem Militärtransporter A400M. Wegen erheblicher Probleme bei der Entwicklung des Flugzeuges gibt es etwa in Berlin Befürchtungen, EADS könne aus dem Projekt aussteigen.

"Wir brauchen für unsere Einsätze aber eine Erneuerung der Lufttransportkapazitäten", mahnte Verteidigungsminister Franz Josef Jung. "Deshalb brauchen wir den A400M, um unsere Aufgaben weiterhin erfüllen zu können", sagte er dem Handelsblatt. Armee und Rüstungsindustrie müssten sich darauf verlassen können, dass beschlossene Projekte auch umgesetzt würden.

"Wir haben nicht die Absicht, das A400M-Projekt zu stoppen", betonte Gallois nun. Man werde ein Flugzeug "für die nächsten 45 Jahre planen und bauen." Gallois räumte ein, dass EADS die Probleme unter- und unsere Fähigkeiten überschätzt habe. Es sei zu ambitioniert gewesen, die Auslieferung des ersten Flugzeugs bereits nach sechseinhalb Jahren zuzusagen - wie bei einem kommerziellen Flugzeug. Vorwürfe aus der Politik wies er mit dem Hinweis zurück, dass die durchschnittliche Entwicklungszeit für neue Militärflugzeuge bei zwölf Jahren liege.

Zugleich sagte Gallois den von der Lieferverzögerung betroffenen Regierungen Verhandlungen zu. "Wir sind bereit, über eine Lösung der Probleme zu reden, die durch die Verspätungen entstehen. Das gilt besonders für die britische und französische Regierung, die die größten Probleme haben." Deutschland habe bisher noch keine Gespräche gefordert. "Selbstverständlich sind wir bereit, auch mit Berlin über dieses Thema zu reden."

Die Forderung nach einer generellen Kürzung der Rüstungsprojekte wiesen Jung, Gallois und Zoller zurück. "Die Beschaffungsprogramme waren und sind notwendig", betonte der Verteidigungsminister. "Die Bundeswehr braucht auch weiterhin eine gute und moderne Ausrüstung." Vor allem gepanzerte Patrouillenfahrzeuge würden zum Schutz der Soldaten bei ihren Einsätzen gebraucht und müssten beschafft werden.

"Wir sehen bisher keine Kürzungen in den Verteidigungsetats", sagte EADS-Chef Gallois. "Und ich erwarte auch keine in Zeiten, in denen Regierungen gerade Rettungspakete für die Wirtschaft auflegen." Wenn die Krise in zwei, drei Jahren vorüber sein sollte, könnte es aber sein, dass Regierungen daran dächten, die Haushaltsdefizite durch Kürzungen wieder einzudämmen.

Kürzungen bei Rüstungsprojekten seien ohnehin nicht sinnvoll, kritisierte EADS-Militärspartenchef Zoller. "Die Verteidigungsindustrie mit ihren lang laufenden Projekten ist derzeit ein Stabilitätsanker in der Krise." Er verwies darauf, dass EADS nicht etwa Stellen abbaue, sondern im Gegenteil sofort Luft- und Raumfahrtingenieure einstellen würde.

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