Musikindustrie
AC DC rocks Schumpeter

Die Hardrocker von AC/DC verkaufen ihr neues Album exklusiv über Wal-Mart - und liegen damit voll im Trend. Darf man das kreative Zerstörung à la Schumpeter nennen? Zumindest ist es ein weiterer Schlag für die Musikindustrie.

Mit eisernen Hardrock-Fans will man ja - "Hells Bells" - beim besten Willen keinen Krach vom Zaun brechen. Deshalb erwähnen wir an der Stelle ausdrücklich, dass die Strategie von AC/DC, ihr neues Album exklusiv über Wal-Mart zu verkaufen, keine billige Masche ist! Sonst könnte noch ein Fan drauf kommen, wir würden glauben, die australische Starkstromband müsse ihr Geschrammel unter dem Wal-Mart-Slogan "Always Low Prices" verramschen. Um den Frieden zu wahren, sagen wir deshalb voller Überzeugung: AC/DC sind erstens tatsächlich noch am Leben, zweitens auf ihre alten Tage natürlich so gut wie nie zuvor und liegen drittens mit ihrer Vermarktungsstrategie voll im Trend. Zuletzt haben schon die guten alten Eagles ihr jüngstes Album exklusiv in die Regale von Wal-Mart gestellt und drei Millionen Mal verkauft. Das reicht für einen netten Urlaub im "Hotel California". Jetzt also auch AC/DC: Darf man diesen Krach kreative Zerstörung à la Schumpeter nennen?

Er sorgt zumindest dafür, dass die Bastionen der Musikindustrie noch weiter geschleift werden. Die Branche erlebt einen schmerzlichen Umbruch, die Umsätze liegen am Boden, viele Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Gerade war in der "Times" zu lesen, dass ein Manager aus der Haushaltschemie-Branche dem britischen Musikkonzern EMI aus der Krise helfen soll. Der Italiener Elio Leoni Sceti hat bei Reckitt Benckiser bisher Calgon und Kukident verkauft. Ob sich EMI-Star Robbie Williams auf den neuen Sanierer freut?

Während Pop-Ikone Madonna Warner Music den Rücken kehrt und für 120 Millionen Dollar zum Konzertveranstalter Live Nation wechselt, wenden sich andere große Namen an die Spielführer der digitalen Zukunft. Die britische Band Coldplay hat in der Vorwoche 288 000 Alben über Downloads bei Apple iTunes verkauft und damit eine neue Rekordmarke gesetzt.

Ein (schwacher) Trost für Sony BMG & Co. bleibt, dass es die wenigsten Künstler so einfach haben: Radiohead hat sein jüngstes Album ins Internet geladen und jedem Fan freigestellt, wie viel er zahlen will. Der Umsatz ist der Redaktion nicht bekannt.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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