Industrie

Textilbranche will Ökoenergie-Umlage kippen

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Die Umlage könnte deutlich steigen

Man sei für die Energiewende, aber mit dem jetzigen Fördersystem rolle auf Deutschland eine unkalkulierbare Kostenlawine zu. „Die Umlage kennt nur eine Richtung: nach oben“, sagte Baumann. Man sei offen für Alternativen, etwa eine Erhöhung der Stromsteuer oder eine Bezuschussung von Wind- und Sonnenstrom über den Staatshaushalt. „Das Genialste wäre natürlich, wenn man es über Energieeinsparungen regeln könnte“, betonte Baumann.

Die Branche, in der noch 120 000 Menschen arbeiten, beziffert ihre Mehrausgaben durch die Umlage auf 70 Millionen Euro jährlich. Einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kostet die Ökoenergie-Förderung etwa 125 Euro. Diese Summe könnte 2013 auf rund 175 Euro pro Jahr steigen, schätzen Energieexperten.

2011 flossen 16,4 Milliarden Euro an Ökoenergie-Umlage an die Betreiber von Windrädern, Solarparks, Wasserkraftwerken und Biogasanlagen. Wegen des rasanten Ausbaus erneuerbarer Energien könnte die Umlage 2013 deutlich steigen. Kostentreibend hinzukommt, dass die Bürger und mittelständische Unternehmen Ausnahmen bei der Umlage für energieintensive Unternehmen mitbezahlen müssen. Zugleich senkt mehr Ökostrom aber auch die Einkaufspreise für Strom, viele Versorger geben diese aber nur bedingt an die Kunden weiter.

Manssen glaubt aber nicht, dass die Umlage bei einem Erfolg der Klage rückwirkend erstattet werden könnte. Daher würde es wohl auch keinen Sinn machen, wenn Bürger die Umlage nur noch unter Vorbehalt zahlen. Im kommenden Jahr soll es zwar für weitere Unternehmen Ausnahmen geben. Aber in der Textilbranche fallen nur rund 30 Unternehmen unter diese Härtefallregelungen.

Ein Kriterium ist, dass Stromkosten einen Anteil von 14 Prozent an der Bruttowertschöpfung haben, weshalb gerade die Unternehmen der Textilbranche nach eigener Darstellung nun leer ausgehen, die ihre Energiekosten gedrosselt haben. „Es werden die bestraft, die in den letzten Jahren massiv in Energieeinsparungen investiert haben“, so Dieter Dörrmann von der Spinnweberei Uhingen in Baden-Württemberg.

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) kritisierte die Ökostrom-Förderung als mitverantwortlich für die hohen Strompreise. In der „Bild“-Zeitung sprach er sich für eine Deckelung der Umlage aus. „Sonst laufen die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft aus dem Ruder.“ Deutschland habe vor allem wegen der hohen Steuern und der Abgabe für erneuerbare Energien die zweithöchsten Strompreise in Europa. „Das kann so nicht weitergehen, weil wir damit die Verbraucher überfordern und die Wirtschaft schädigen“, so Oettinger.

  • 14.08.2012, 14:27 Uhrvandale

    Ich würde mich nicht wundern wenn man, sofern die Regierung die Klage als aussichtsreich einstuft, die Textilbranche analog der energieintensiven Betriebe von der EEG Umlage ausnimmt.

    Vandale

  • 14.08.2012, 14:22 Uhrvandale

    Der Kohlepfennig mit dem einst der Steinkohleabbau im Ruhrgebiet subventioniert wurde war ähnlich der EEG Umlage konzipiert.

    Für die Regierung scheint diese Art der Subventionspraxis sehr verlockend zu sein, da der Aufschlag weniger gespürt wird als eine Besteuerung der Einkommen.

    Gem. der Oekoreligion ist lediglich eine Stromerzeugung mit mittelalterlichen Methoden, Wind, Verbrennung von Lebensmitteln/Bioenergie, Sonne religiös korrekt. Diese Verfahren sind unverhältnismässig teuer, umweltschädlich und der Strom ist insbesondere im Fall von Wind- und Sonne nahezu wertlos.

    Ungerecht ist, dass alle Bürger über den Strompreis diese Religion finanzieren müssen auch wenn Sie nicht an die Oekoreligion mit ihren CO2 Klimakatastrophen, Waldsterben, Endlichen Rohstoffen, dämonischen Atomstrahlen und "Ungelösten Endlagerfragen" glauben.

    Eine transparente Subventionspraxis über das Steueraufkommen und eine Konkurrenzsituation mit anderen Subventionszielen würde die Subventionierung ökoreligiöser Energien vermutlich drastisch dämpfen.

    Ideal wäre es wenn nur diejenigen für "Erneuerbare Energien" bezahlen, die diesen Glauben, glauben.

    Vandale

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