Mutterkonzern gibt Stammwerk geringe Überlebenschancen
Nürnberger AEG-Werk vor dem Aus

Die Überlebenschancen für das Stammwerk des deutschen Hausgeräteherstellers AEG in Nürnberg schwinden zunehmend. Der Chef des schwedischen Mutterkonzerns Electrolux, Hans Straberg, äußerte sich im Gespräch mit dem Handelsblatt pessimistisch über die Zukunft der Fabrik, in der momentan noch 1 750 Mitarbeiter Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen produzieren.

DÜSSELDORF/STOCKHOLM. „Die Kunden sind nicht bereit, mehr für unsere Produkte zu zahlen, nur weil sie in einem bestimmten Land hergestellt worden sind", sagte Straberg. Deshalb müsse der weltgrößte Hausgerätehersteller, zu dem Marken wie AEG, Zanussi und Zanker gehören, seine Kostenstrukturen dem Käuferverhalten anpassen.

Straberg wies aber darauf hin, dass ein endgültiger Beschluss über die Schließung des Werkes noch nicht gefasst sei. In „einigen Monaten“ werde definitiv entschieden. Eine Sitzung des Konzern-Verwaltungsrates findet am 10. Oktober in Stockholm statt.

Anders als etwa bei Siemens sieht der Electrolux-Chef kaum Möglichkeiten, über freiwillige Lohnsenkungen die Arbeitsplätze in Nürnberg zu retten. „Wir sind bereit, über alles zu reden. Aber es reicht in unserer Branche nicht, die Löhne um zehn oder 20 Prozent zu senken", so der Manager. Experten teilen seine Meinung. Dass das Werk in Nürnberg weiter bestehen kann, sieht Analyst Anders Berg von der Evli Bank in Stockholm nur noch als theoretische Möglichkeit an. „Das ist ein unausweichlicher Prozess." Die ehrgeizigen Sparziele, die sich Electrolux gesetzt habe, seien nur mit drastischen Einschnitten zu erreichen.

Dagegen hält der Vorsitzende des AEG-Gesamtbetriebsrates, Rainer Kretschmer, dass man die hohe Produktivität und Qualität im Werk Nürnberg beachten müsse. Die Arbeitnehmervertreter setzen ihre Hoffnung auf ein Gutachten, das sie bei dem Info-Institut in Saarbrücken in Auftrag gegeben haben. Dieses Gutachten soll auf der nächsten Sitzung der AEG-Aufsichtsrates am 23. September diskutiert werden. Es würden in Nürnberg keine übertariflichen Leistungen mehr gezahlt. Wegen der schwachen Auslastung ist die Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden ohne Lohnausgleich gesenkt worden. Die Trockner-Fertigung ist bereits aufgegeben worden.

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