Mutterkonzern hält sich bedeckt: Opel dringt bei GM auf wichtigere Rolle in der Entwicklung

Mutterkonzern hält sich bedeckt
Opel dringt bei GM auf wichtigere Rolle in der Entwicklung

Zwischen dem Autobauer Opel und seinem Mutterkonzern General Motors bahnt sich ein Tauziehen um die künftige Rollenverteilung an. Die Opel-Arbeitnehmerschaft dringt auf mehr Einfluss der Rüsselsheimer in der Entwicklung und verlangt im Zuge der Verhandlungen über eine staatliche Bürgschaft und ein Sparpaket in Europa, die Verantwortung des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums neu zu definieren.

RÜSSELSHEIM. „Wir brauchen den Zuschlag für mindestens eine der globalen Plattformen für Opel und müssen künftig auch für alle übrigen Modelle neben dem Astra das letzte Wort in der Entwicklung in Europa bekommen“, sagte Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz dem Handelsblatt.

Der Mutterkonzern hielt sich dazu bedeckt. Eine Sprecherin von GM Europe betonte, der Hersteller werde das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum mit über 6 000 Ingenieuren auch weiterhin bestmöglich einsetzen. „Wir werden Sie informieren, wenn konkrete Entscheidungen bekannt zu geben sind.“

Bisher hat das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim nur den Zuschlag für die aktuelle Mittelklasse und die Kompaktklasse. Doch voraussichtlich noch im laufenden Jahr wird entschieden, wer die kommende Generation der globalen Kompaktwagen-Plattform für das Jahr 2014/2015 entwickeln darf, heißt es. Franz befürchtet, dass die US-Zentrale versuchen könnte, Entwicklungsaufträge verstärkt in die Vereinigten Staaten zu ziehen, um dort die Kapazitäten besser auszulasten. So drohten auch der nächste Saab 9.5, der Opel Zafira und eine neue Generation von Vierzylindermotoren und Getrieben statt in Rüsselsheim in den USA entwickelt zu werden. Bereits in der Vergangenheit hatte GM damit geliebäugelt, die Kompaktplattform Delta im amerikanischen Entwicklungszentrum Warren entwerfen zu lassen.

Der Golf-Konkurrent Astra ist das wichtigste Modell der Rüsselsheimer in Europa. Der Marktstart der nächsten, bereits fertig entwickelten Version ist nach bisherigen Plänen für den Herbst 2009 geplant. Intern werde bereits über die nächste Generation des Fahrzeugs verhandelt, heißt es.

Opel bemüht sich derzeit um eine staatliche Bürgschaft von 1,8 Mrd. Euro in Berlin, um sich für den Fall einer Insolvenz von General Motors zu wappnen und von den Zahlungsströmen des Konzerns unabhängiger zu machen. „Ich bin fest überzeugt, dass wir die Bürgschaft bekommen“, betonte Franz. Der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa geht davon aus, dass die Entscheidung in Berlin voraussichtlich Mitte März fallen wird. Die staatliche Hilfe sei notwendig, damit sich Opel „vor dem Hintergrund der Autokrise solide und souverän aufstellen“ könne. Für eine komplette Abkoppelung des Autobauers gebe es jedoch keine Szenarien.

Um sich angesichts der Krise für einen deutlichen Nachfragerückgang zu wappnen, bereitet sich Opel auch auf Kurzarbeit und andere flexible Arbeitszeitsysteme vor. Für das Rüsselsheimer Opel-Stammwerk, in dem der neue Mittelklassewagen Insignia gebaut wird, gebe es jedoch keine derartigen Pläne, sagte Franz.

Opel ist die wichtigste Marke von GM in Europa. Im dritten Quartal war das GM-Europageschäft mit einem operativen Verlust von rund einer Mrd. Dollar (780 Mio. Euro) tief ins Minus gestürzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%