MVV Energie
Stadtwerke-Verbund rückt zusammen

Die Mannheimer MVV Energie harmonisiert die Arbeit in den großen Standorten, senkt die Kosten und streicht Stellen. Vorstandschef Georg Müller musste eine schwierige Balance mit den Anteilseignern finden.
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MANNHEIM. Der einzige börsennotierte Stadtwerke-Konzern in Deutschland, MVV Energie, strafft die Strukturen und senkt die Kosten. Insgesamt sollen nach Informationen des Handelsblatts die Sach- und Personalkosten um 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr gedrückt werden. Das entspricht rund 15 Prozent des aktuellen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern. Rund 450 Stellen werden abgebaut, zwölf Prozent der Belegschaft. Die Sachkosten werden um bis zu 30 Prozent gesenkt. "Die MVV Energie Gruppe wird effizienter", kündigte Vorstandschef Georg Müller im Interview mit dem Handelsblatt an.

MVV Energie mit Sitz in Mannheim ist mit einem Umsatz von gut drei Milliarden Euro einer der größten Versorger der zweiten Reihe hinter den großen Energiekonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Das Unternehmen gehört mehrheitlich der Stadt Mannheim und hält sieben Beteiligungen an anderen Versorgern, darunter die Mehrheit an den Stadtwerken Kiel und der Energieversorgung Offenbach.

Wie die gesamte Branche steht die Gruppe vor großen Herausforderungen: Die Bundesnetzagentur drückt die Rendite, der Wettbewerb um Strom- und Gaskunden wird schärfer, neue Felder wie intelligente Netze oder Elektromobilität müssen besetzt werden.

Die Gruppe braucht Spielraum für Investitionen in grüne Energie

Gleichzeitig hat Müller im vergangenen Jahr eine neue Wachstumsstrategie vorgegeben. MVV Energie will unter anderem den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von derzeit 18 Prozent auf 30 Prozent im Jahr 2020 ausbauen. Die Spielräume hierfür soll die Umstrukturierung schaffen.

Müller hatte aber Probleme, die Pläne durchzusetzen. Vor allem an den Standorten Kiel und Offenbach gab es Widerstand von Arbeitnehmervertretern und kommunalen Anteilseignern. Der Konflikt wurde zum Teil in der Öffentlichkeit ausgetragen, die Abstimmungen verzögerten sich um mehrere Monate. Inzwischen ist der Streit aber beigelegt. Die Aufsichtsräte in Kiel und Offenbach haben zugestimmt, Mannheim will das in den kommenden Wochen machen. Mit dem Betriebsrat wurde der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis 2016 vereinbart - wenn festgelegte Ziele auch so erreicht werden.



Müller musste aber eine schwierige Balance finden, um die Einsparungen bei den lokalen Partnern durchzusetzen. "Wir rücken in der Gruppe enger zusammen, ohne dabei die Nähe zum Markt aufzugeben", sagt er. Im Klartext: Die MVV Gruppe harmonisiert die Arbeit in den drei großen Standorten Mannheim, Kiel und Offenbach und die Unternehmen arbeiten enger zusammen, die Ergebnisverantwortung bleibt aber weiter vor Ort.

In allen Wertschöpfungsstufen wie Erzeugung, Vertrieb oder Netze sollen sich die Unternehmen künftig eng abstimmen. Projektteams werden über die Gruppe hinweg zusammenarbeiten. Auf allen Ebenen werden die jeweiligen Verantwortlichen, beispielsweise die Vertriebsleiter und die Controller, gemeinsame Parameter und Ziele erarbeiten. Die Prozesse werden standardisiert. "Wir können so gemeinsam neue Strom- und Gasprodukte entwickeln oder Preise kalkulieren. Wir können aber auch den Einsatz der Kraftwerke marktorientierter planen", erläutert Müller.

Die Gruppe hat zwar schon seit einigen Jahren gemeinsame Gesellschaften für IT, Abrechnung und Kundenservice. Aber selbst hier waren die Prozesse in den Unternehmen noch nicht harmonisiert - so arbeiten die Stadtwerke in vielen Bereichen noch mit unterschiedlichen IT-Systemen.

Die Probleme, die Müller bei der Umsetzung seiner Pläne hatte, zeigen die grundsätzlichen Schwierigkeiten bei der Kooperation von Kommunalversorgern. Bundesweit bündeln Stadtwerke zwar ihre Stärken, um gegen die vier großen Energiekonzerne zu konkurrieren. Im vergangenen Jahr übernahmen beispielsweise große Regionalversorger aus Frankfurt, Hannover, Nürnberg und Freiburg die Stadtwerke-Holding Thüga. Leicht fällt es den Unternehmen aber zumeist nur, neue Projekte wie Kraftwerke und Windparks anzugehen. Sobald es an die internen Strukturen geht, wird es aber schwierig. "Wir haben uns an Themen heran gewagt, an die sich andere Stadtwerke-Gruppen gar nicht heran trauen", sagt Müller.

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