Mylan will Perrigo schlucken Milliardendeal bewegt Pharmabranche

Es gibt mehrere Interessenten für den Pharmahersteller Perrigo. Neben Mylan aus den USA haben auch Teva aus Israel und weitere Unternehmen ein Auge auf den US-Konzern geworfen. Eine erste Offerte bringt nun die Märkte in Bewegung.
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In der US-Pharmabranche geht es hoch her: Mylan, die unter anderem dieses Gerät zur Selbstinjektion von Epinephrin produzieren, wollen nun den nächsten Milliardendeal anschieben. Quelle: ap
Der EpiPen von Mylan

In der US-Pharmabranche geht es hoch her: Mylan, die unter anderem dieses Gerät zur Selbstinjektion von Epinephrin produzieren, wollen nun den nächsten Milliardendeal anschieben.

(Foto: ap)

FrankfurtDie geplante Milliardenübernahme der Pharmafirma Perrigo durch den US-Generikakonzern Mylan lässt die Gerüchteküche brodeln. Branchenspezialisten spekulierten, Mylan könnte die 29 Milliarden Dollar schwere Offerte vorgelegt haben, um selbst einen Kauf durch die israelische Teva abzuwehren. Zugleich könnten mögliche Gegenbieter für Perrigo auf den Plan gerufen werden. Die Spekulationen schwappten auch auf den deutschen Aktienmarkt über. Die Aktien des hessischen Generikaherstellers Stada stiegen am Donnerstag um bis zu fünf Prozent. Die Offerte für Perrigo dürfte das Interesse an dem Anbieter von Nachahmermedikamenten schüren, erklärten die Analysten von JP Morgan.

Perrigo-Aktien hatten am Mittwoch an der Wall Street um bis zu 30 Prozent auf mehr als 215 Dollar zulegt. Mylan will für den heimischen Rivalen 205 Dollar je Aktie zahlen. Mylan-Verwaltungsratschef Robert Coury erklärte, beide Seiten hätten mehrere Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss geführt. Perrigo bestätigte, eine ungebetene Offerte von Mylan erhalten zu haben. Der Verwaltungsrat werde nun darüber beraten.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Beide Unternehmen haben ihr Geschäft bereits mit einer Reihe von Übernahmen ausgebaut. Perrigo hatte kürzlich den belgischen Arzneimittelhersteller Omega Pharma für 4,5 Milliarden Dollar gekauft. 2013 hatte die Gesellschaft den irischen Pharmakonzern Elan für 6,7 Milliarden Dollar übernommen. Mylan hatte sich hier zu Lande vor fast acht Jahren mit dem Kauf der Generikasparte der Darmstädter Merck für 4,9 Milliarden Euro einen Namen gemacht. Erst kürzlich schloss Mylan die milliardenschwere Übernahme von Geschäftsbereichen mit Nachahmerpräparaten des Diagnostikkonzerns Abbott ab. Im Februar ging die indische Pharmafirma Famy Care für 800 Millionen Dollar an Mylan. Vorstandschefin Heather Bresch hatte erst Anfang März eine weitere erhebliche Transaktion bis Ende 2015 in Aussicht gestellt. Mylan war zuletzt aber auch selbst Mittelpunkt von Übernahmegerüchten, wonach Teva Interesse an einem Kauf haben könnte.

Es werde interessant sein, zu sehen, ob man in einer Übernahmeschlacht ende, sagte Morningstar-Analyst Michael Waterhouse. Nach seiner Einschätzung könnten Teva und die kanadische Valeant als mögliche Gegenbieter für Perrigo auftreten. Analystin Annabel Samimy von Stifel Nicolaus sieht in der Generika-Sparte der Schweizer Novartis, Sandoz, einen weiteren Interessenten. Teva, Novartis und Valeant wollten sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Die Pharmaindustrie wird derzeit von einer Vielzahl von Übernahmen umgewälzt. Zuletzt etwa hatte der US-Konzern Pfizer Hospira für 15 Milliarden Dollar gekauft. Unter anderem treiben hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die Fusionswelle an.

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