Am Montag ging eine Meldung angesichts des Doppelschlags von Ferdinand Piëch fast unter: Er selbst scheidet aus dem Präsidium des Porsche-Aufsichtsrats aus. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Und Piëch ist zumindest derzeit nicht gewillt, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Sein Rückzug aus dem Gremium könnte mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zusammenhängen.
STUTTGART. Porsche
war schon immer ein besonderes Unternehmen. Weltberühmt spätestens, seit Hollywood-Ikone James Dean in den 50er-Jahren sich mit einem Sportwagen aus Zuffenhausen zu Tode fuhr. Höhen und Tiefen lagen in der Folgezeit in dem Konzern der Familien Piëch und Porsche
immer recht nah zusammen.
Bis Wendelin Wiedeking 1992 die Führung des Sportwagenbauers übernahm. Mit den Methoden von Toyota
brachte er die Kostenstrukturen in Ordnung, setzte auf das legendäre 911er-Modell, wagte mit dem Cayenne den Sprung in die Geländewagenklasse und baute mit dem Boxter einen Baby
-Porsche
für Einsteiger. Er achtet strikt auf die Kosten. Technische Spielereien, die sich nicht rechnen, haben bei dem Westfalen keine Chance.
Wiedeking eilte mit seiner Methode von Rekordgewinn zu Rekordgewinn. Zuletzt schoss Porsche
den Vogel ab: Das Unternehmen verkaufte im Geschäftsjahr 2006/07 knapp 100 000 Fahrzeuge für 7,4 Milliarden Euro und strich dabei den Rekordgewinn vor Steuern von 5,9 Milliarden Euro ein. Allein 3,6 Milliarden Euro stammten aus Optionsgeschäften im Zusammenhang mit dem Einstieg bei VW.
Das brachte den Unternehmen schon die Titulierung "Hedge-Fonds mit angeschlossenem Sportwagenhersteller" ein.
Wiedeking machte mit seiner erfolgreichen Unternehmensführung die Anleger glücklich und die Eigentümerfamilien um Milliarden reicher. Für 31 Prozent von VW
gab Porsche
bislang 5,8 Milliarden Euro aus. An der Börse ist das Paket über 14 Milliarden Euro wert. Angeblich hat er Ferdinand Piëch vorgeschlagen, mit den angesammelten Milliardengewinnen VW
zu übernehmen. Beim Enkel des legendären Erfinders des VW
-Käfers stieß er damit offene Türen ein. "Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobilallianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird", erklärte Porsche
-Chef Wiedeking gestern. Das könnte so auch Piëch gesagt haben.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Balance zwischen den Familien.
Wiedeking wurde zwar von Piëch ins Unternehmen geholt. Fein achtet der 56-Jährige aber auf die Balance zwischen den Familien, die sich mitunter auch nicht immer einig sind. Piëch ist zwar unter den Familienmitgliedern der mit dem stärksten unternehmerischen Impetus. Aber die Porsches
halten einige Prozent mehr als die Piëch-Familie. Im vergangenen Jahr wurde Wolfgang Porsche
Aufsichtsratschef von Porsche.
Er stieg damit zum wichtigsten Mann für Wiedeking auf. In den vergangenen Wochen gab es Berichte, nach denen Piëch von Wiedeking langsam abrücke, weil er ihm zu unabhängig und mächtig geworden ist. Belege für dieses fundamentale Zerwürfnis gibt es indes nicht. Aber auch die Erklärungen aus Zuffenhausen fallen dürftig aus.
Ganz nebenbei teilte Porsche
am Montag ohne Begründung mit, dass Hans Michel Piëch neues Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats der Porsche Automobil Holding SE wird und seinen Bruder Ferdinand ablöst. Im Präsidium fallen die Personalentscheidungen. Faktisch hat Ferdinand Piëch damit weniger Zugriff auf Wiedeking. Wiedekings Position ist damit stärker denn je.
Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche wollte Piëchs Rückzug aus dem Gremium nicht kommentieren. Sein Rückzug habe aktienrechtliche und organisatorische Gründe, sagte Piëch selbst der "FTD" am Rande des Automobilsalons in Genf. „Warten Sie ein paar Wochen, dann werden Sie es verstehen“, erklärte er auf der Automesse vor Journalisten. Dann wolle er Näheres zu dem Thema offenlegen. Wolfgang Porsche meinte dazu nur: „Nehmen Sie das für bare Münze.“
Die Zurückhaltung schürt ersteinmal jedenfalls Spekulationen. Was wird im Hintergrund Neues vorbereitet, dass diese Veränderung notwendig machte? Oder wollte Piëch vielleicht doch Wiedeking stürzen? Und zieht er sich jetzt beleidigt zurück, weil die Porsche
-Familie
nicht mitspielt?
Niemand weiß, was Piëch wirklich denkt. Aber am Montag war so oder so wieder mal einer seiner größten Tage. Immerhin ist es ihm gelungen, die Wallenbergs
zur Abgabe ihrer Scania
-Beteiligung zu bewegen. Und vielleicht hat er jetzt auch einfach als VW
-Aufsichtsratschef genug zu tun, VW
mit Scania
und MAN
zusammenzubringen und dann in den Porsche
-Konzern zu integrieren. Und so einem Konzern den Weg zu bereiten, der genauso breit aufgestellt ist wie Daimler
- nur größer. Wiedeking und Piëch haben das gleiche Ziel.

