MyTaxi-Gründer Mewes und Spickermann
„Die Taxifahrer sind nicht unsere Gegner“

Das Stuttgarter Landgericht hat eine Rabattaktion der Daimler-Tochter MyTaxi für illegal erklärt. Im Interview erklären die MyTaxi-Verantwortlichen, warum sie gegen das Urteil vorgehen - und weiter Rabatt geben wollen.
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Düsseldorf50 Prozent Rabatt auf jede Taxifahrt - mit dieser Marketing-Aktion hat die Vermittlungs-App MyTaxi die Taxizentralen gegen sich aufgebracht. Mitte Mai wurde die Rabattaktion vom Landgericht Stuttgart für illegal erklärt. Im Interview mit dem Handelsblatt erklären MyTaxi-Gründer Nic Mewes und Moovel-Finanzchef Marcus Spickermann, warum sie sich trotzdem im Recht sehen - und wie sie nun gegen das Urteil vorgehen wollen.

Mit einem Rabatt von 50 Prozent auf Taxifahrten haben Sie einige Taxifahrer gegen sich aufgebracht. Spüren Sie aktuell starken Gegenwind aus der Branche? 
Nic Mewes: Im Gegenteil: Wir haben eine sehr  positive Stimmung unter den Fahrern, die MyTaxi nutzen. Auch und gerade wegen der Rabattaktion. Die Nachfrage nach Taxifahrten steigt  und die Fahrer erhalten den vollen Preis. Aber auch schon vorher haben wir viel Zuspruch erhalten. Man muss unterscheiden zwischen den Taxifahrern und den traditionellen Taxizentralen. 

Michael Müller, Präsident des Deutscher Taxi- und Mietwagenverbandes, ruft in Rundschreiben an die Verbandsmitglieder sogar indirekt zum Boykott von MyTaxi auf. Wer heute mit MyTaxi zusammenarbeite, müsse morgen um seine Geschäfte fürchten. Müssen die Taxifahrer tatsächlich Angst haben? 
Nic Mewes: Klare Antwort: Nein. Wir legen Wert auf den Dialog, setzen uns an einen Tisch und hören sehr genau hin, welche Bedürfnisse die Fahrer haben. Sie sehen das an unserem Preismodell, das wir nach Rücksprache mit unseren Fahrern umgestellt haben. Von einem Auktionsmodell sind wir zurückgekehrt zu einem einheitlichen Prozentsatz, vermitteln immer das nächste Taxi. Auch daran sehen Sie: Die Taxifahrer sind unsere Partner, nicht unsere Gegner. 

Mittlerweile duellieren Sie sich mit einigen Taxifahrern auch vor Gericht. Das Landgericht Stuttgart hat nach einer Einstweiligen Verfügung der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart eine Rabattaktion von mytaxi juristisch gestoppt. Dabei haben Sie doch bisher immer betont, sich an alle Gesetze zu halten... 
Marcus Spickermann: Für uns war und ist die Aktion auch absolut gesetzeskonform. Wir sind Vermittler von Touren, die Fahrer erhalten von uns den vollen Betrag – so wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Mit dem Urteil sind wir nicht zufrieden, das sagen wir ganz offen. Darum haben wir Berufung eingelegt und gehen in die nächste Instanz.  Wir wollen die rechtliche Situation eindeutig klären lassen und sehen uns im Recht. 

Und bis dahin? Bisher gilt das Verbot ja nur für den Raum Stuttgart… 
Nic Mewes: In anderen Regionen behalten wir uns vor, weiterhin mit einem Rabatt zu werben. Wir haben eine klare Vorstellung von unserem Geschäftsmodell und wollen damit auch erfolgreich sein. Dabei setzen wir auch weiterhin auf Marketingmaßnahmen. 

Ihr Konkurrent Uber kritisiert immer wieder die strenge  Gesetzeslage für das Taxigewerbe in Deutschland. Hat Uber Recht? Müssen die Gesetze überarbeitet werden? 
Marcus Spickermann: Die Taxilandschaft in Deutschland ist historisch so gewachsen – aus nachvollziehbaren Gründen. Wir halten uns an die bestehenden Gesetze und haben keinerlei Interesse, die Tarifpflicht auszuhebeln.

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„Das wird nicht aufzuhalten sein“

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