Nach 23 Jahren Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo tritt zurück

Wechsel an der Spitze von Ferrari: Präsident Luca di Montezemolo erklärt seinen Rücktritt. Er scheint den Machtkampf mit Fiat-Geschäftsführer Marchionne verloren zu haben. Der will den Sportwagenbauer nun zähmen.
Update: 10.09.2014 - 11:32 Uhr Kommentieren
Verlässt den Autobauer mit dem sich aufbäumenden Pferdchen: Luca di Montezemolo. Quelle: dpa

Verlässt den Autobauer mit dem sich aufbäumenden Pferdchen: Luca di Montezemolo.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch am Samstag hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo die Spekulationen über seine Rücktritt ins Reich der Fabeln verwiesen. Ein „übertriebener Wirbel“ seien die Gerüchte, hatte Montezemolo entsprechende Berichte kommentiert. Nur drei Tage später lässt er die Bombe platzen: nach 23 Jahren wird der 67-Jährige Mitte Oktober an der Spitze der Scuderia abtreten. Seine Nachfolge soll der Fiat-Vorsitzende Sergio Marchionne übernehmen. Das gab die Ferrari-Mutter am Mittwochmorgen bekannt.

Es scheint als hätte die Ferrari-Ikone den Machtkampf mit dem Fiat-Chef verloren. Der hatte sich zuletzt über die schwachen Leistungen des hauseigenen Rennstalls mokiert. Seit 16 Monaten wartet Ferrari in der Formel 1 auf einen Sieg - und das obwohl mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen zwei Weltmeister in den eigenen Reihen stehen. Einen Fahrertitel konnte der legendäre Rennwagenbauer zuletzt 2007 einfahren. Die Blamage beim Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza scheint Montezemolo nun seinen Posten zu kosten. Alonso schied aus, Räikkönen holte als Neunter nur zwei Punkte.

Am Sonntag gab Fiat-Geschäftsführer Sergio Marchionne dem Ferrari-Präsidenten bereits eine deutliche Warnung mit auf den Weg. Nachdem er betont hatte, dass ein Wechsel auf dem Präsidentenposten momentan nicht auf der Agenda stehe, schob Marchionne den Halbsatz nach „aber niemand ist unverzichtbar“. Für Ferrari sei es wichtig zu gewinnen, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch sportlich, betonte Marchionne. „Und da fehlt uns schon seit sechs Jahren der Erfolg.“

Dabei fallen auch etliche Weltmeistertitel unter die Ägide von Montezemolo. Er war es, der einst Jean Todt und Michael Schumacher zu Ferrari geholt hatte.

Supersportwagen und Cruiser in einem
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Wie eine Skulptur sieht der F12 Berlinetta aus. Motorhaube, Türen und das Heck sind so geformt, als ob ein Künstler und kein Autobauer hinter dem Design des F12 stünde. Doch bei aller italienischer Zeichen-Emotion gilt für viele Zeile des Zwölfzylinder-Ferraris der nüchterne Leitsatz: „Form follows function.“

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Ein ganz besonderes Highlight sind hier die sogenannten „Aero-Bridges“. Durch diese beiden armdicken Löcher zwischen Motorhaube und Kotflügel streift so viel Luft, dass der Wagen von zusätzlichen 50 Kilogramm Anpressdruck auf den Asphalt geklebt wird.

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Die so umgeleitete Luft wird von den ausgeprägten Sicken in den Türen zur Seite abgeleitet, wo sie den restlichen Luftfluss um den Wagen nicht mehr stört.

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Aerodynamisches Highlight Nummer zwei: Diese Klappen sind im Normalfall geschlossen – optimal für die Strömung. Werden bei dem Kurvenräubern auf Landstraßen oder der Rennstrecke die Hochleistungs-Karbon-Keramik-Bremsen zu heiß, schieben sich die Klappen nach hinten und geben zusätzliche Öffnungen zur Bremskühlung frei.

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Diese Luftauslässe über den hinteren Radkästen sollen etwa nicht das Design auflockern, sondern reduzieren den Auftrieb: Die aufgewirbelte Luft, die im Radkasten gefangen ist, kann kaum entweichen. Und nachströmende Luft würde im Radkasten für Auftrieb sorgen – dabei ist bei einem Sportwagen ja eher Abtrieb gefragt. Mit ein paar kleinen Öffnungen kann die Luft entweichen, und so mit einer einfachen Maßnahme der Auftrieb verringert werden.

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Der vierte aerodynamische Kniff ist der mächtige Diffusor am Heck, der ohne viel Luftwiderstand zu erzeugen jede Menge Abtrieb generiert. So gelingt es, dass der F12 ohne einen aufgesetzten oder klappbaren Heckflügel auskommt. Der eleganten Linie tut das sehr gut.

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Mit der ausgeklügelten Luftführung und einem intelligenten Fahrwerk, bei dem in Sekundenbruchteilen per Elektromagnet das Ansprechverhalten der Dämpfer gesteuert werden kann, wird der F12 zu einem unglaublich schnellen Sportwagen – obwohl er ja eigentlich „nur“ ein Gran Turismo ist. Aber irgendwo müssen die Fähigkeiten ja her kommen, dem Supersportwagen Enzo pro Runde auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano zwei Sekunden abzunehmen.

Er war es auch, der den Autobauer geprägt hat, wie sonst wohl nur Enzo Ferrari selbst. Bereits 1977 kam der studierte Jurist zu Ferrari, übernahm später die Kommunikation für den Fiat-Konzern. 1991 steigt er zum Präsidenten des Sportwagen-Herstellers auf, und als Fiat im Jahr eine seiner schwersten Krisen durchmachte und die Gründerfamilie sowohl Gianni als auch Umberto Agnelli verlor, ernannte man ihn gar zum Präsidenten des gesamten Konzerns.

Seine wirtschaftliche Bilanz kann sich sehen lassen: Trotz eines Rückgangs bei den verkauften Ferraris konnte der Sportwagenbauer im vergangenen Jahr den Rekordgewinn von 2012 nochmals überbieten. 2,3 Milliarden Euro Umsatz und 246 Millionen Euro Gewinn sind die besten Werte der traditionsreichen Unternehmensgeschichte. „In den vergangenen 15 Jahren haben wir in jedem Jahr mehr Autos verkauft als im vorangegangenen“, hatte Montezemolo noch im März im Gespräch mit Handelsblatt Online auf dem Autosalon in Genf betont. Das liegt vor allem daran, dass der Sportwagenbauer in Märkten wie China oder den arabischen Emiraten an Beliebtheit gewinnt. „Wir haben in dieser Zeit sehr viele unserer Autos auf den Weltmarkt gebracht.“ Die sportliche Begründung für seine Rücktritt dürfte darum nur ein Teil der Wahrheit sein.

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