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Nach ACS-Coup: Hochtief und der Riss im Unternehmen

Der Essener Baukonzern Hochtief hat die Übernahmeschlacht gegen ACS verloren. Nun geht ein Riss durch das Unternehmen. Während das Topmanagement und der Betriebsrat noch gegen die Spanier wettern, stellen sich die Mitarbeiter brereits auf eine Zusammenarbeit ein.

Aller Protest hat nichts genutzt: ACS hat wichtige Kontrollrechte bei Hochtief übernommen. Quelle: dpa
Aller Protest hat nichts genutzt: ACS hat wichtige Kontrollrechte bei Hochtief übernommen. Quelle: dpa

ESSEN/DÜSSELDORF. Als Siegfried Müller die Nachricht am Dienstagmorgen erreicht, stehen die Protestschilder schon in der hinteren Ecke seines Büros. Der Konzernbetriebsratschef des größten deutschen Baukonzerns Hochtief weiß zu diesem Zeitpunkt: Er und seine Mitstreiter haben verloren. "Gib ACS keine Chance" haben sie in Abänderung eines Slogans der Aids-Aufklärungskampagne gepinselt, auf Zetteln, an den Flurwänden haben sie das Kürzel des spanischen Baukonzerns jeweils mit einem Totenkopf markiert. Überall in der Essener Konzernzentrale ist zu sehen, das Böse hat drei Buchstaben: ACS.

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Seit Dienstag ist aber auch klar: Das Böse ist jetzt mitten unter ihnen. Nach wochenlanger Heimlichtuerei hat der spanische Baukonzern ACS bekanntgegeben, dass er 30,34 Prozent der Aktien an dem Essener Unternehmen halte. Mit dem Sprung über die 30-Prozent-Hürde bekommt ACS wichtige Kontrollrechte bei seinem deutschen Mitbewerber. Und vor allem: Von jetzt an können die Spanier auch nach und nach Anteile bis zur Mehrheit an Hochtief zukaufen - ohne teure Kaufangebote an andere Aktionäre.

Anders als in den Fällen Vodafone/Mannesmann und Thyssen/Krupp Ende der 90er-Jahre hat sich das Hochtief-Management bis zuletzt gegen die Pläne der Spanier gewehrt und die eigenen Mitarbeiter gegen den neuen Anteilseigner aufgewiegelt. Nun geht ein Riss durch das Unternehmen. Es ist 9.30 Uhr, als Siegfried Müller in seinem Büro im Erdgeschoss der Konzernzentrale die Nachricht aus Madrid erfährt. Er wird wieder seine Rolle tauschen müssen. Zunächst wurde aus dem Chefkritiker der Konzernführung der Chefverteidiger des Managements. Müller suchte den Schulterschluss mit dem Hochtief-Vorstand um Herbert Lütkestratkötter, um den Übernahmeversuch abzuwehren. Nun muss aus dem Verhinderer-Betriebsrat ein Gestalter-Betriebsrat werden. Aber wie?

Auch IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel sagt, es gehe ein Riss durch die Hochtief-Belegschaft: "Die einen haben voll auf den Abwehrkampf gesetzt, die anderen wollen auf ACS zugehen, um das Beste aus der aktuellen Situation zu machen." Viele in der Belegschaft sehen nun, dass die Fundamentalopposition nichts bringt. Sie haben erlebt, dass auch das jetzige Management in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze abgebaut, Strategien ent- und verworfen, Eingeständnisse der Belegschaft verlangt hat. Sie wissen, dass sie auf Baustellen wie der Elbphilharmonie in Hamburg, der U-Bahn in Köln oder dem Landesarchiv in Duisburg arbeiten, wo die Arbeit ihnen so schnell nicht ausgehen wird.

Auf den Kölner Hochtief-Baustellen gehen die Dinge am Dienstag ihren Gang. "Man kann doch eh nichts ändern", sagt einer der Hochtief-Mitarbeiter. Darüber diskutiert haben sie kaum, sagen sie. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Unternehmen übernommen wird? "Schön ist das nicht, emotional gesehen", sagt einer aus der Hochtief-Bauleitung. "Aber um Emotionalität geht es hier nicht."

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