Nach Aktivisten-Mord
Deutsche Firmen prüfen Engagement in Honduras

Die Organisation Oxfam kritisiert Siemens und Voith wegen ihrer Beteiligung am Bau eines Wasserkraftwerks in Honduras. Eine Gegnerin des Projekts war getötet worden, ein Verdacht fällt auf den lokalen Bauträger.

TegucigalpaNach dem Mord an der prominenten honduranischen Umweltschützerin Berta Cáceres wollen die deutschen Unternehmen Siemens und Voith ihre Beteiligung an einem umstrittenen Staudammprojekt in dem mittelamerikanischen Land überprüfen. Zuvor hatte die Nichtregierungsorganisation Oxfam den Firmen Siemens und Voith vorgeworfen, nicht genug gegen Menschenrechtsverletzungen zu tun.

Cáceres war Anfang März in ihrem Haus erschossen worden. Die Aktivistin setzte sich seit Jahren für die Rechte der Lenca-Indianer ein und kämpfte gegen den Bau des Wasserkraftwerks Agua Zarca. Siemens und Voith liefern über ein Joint Venture Turbinen, Generatoren und Automatisierungstechnik im Wert von rund acht Millionen Euro an die örtliche Baufirma Desa.

„Siemens und Voith verhalten sich wie Pontius Pilatus, der seine Hände bekanntlich auch in Unschuld waschen wollte. Das ist fahrlässiges Risikomanagement in punkto Menschenrechte und hat leider Methode“, sagte Marita Wiggerthale von Oxfam am Dienstag. Die Firmen kämen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nicht nach.

„Auch wer wegsieht, macht sich schuldig. Mit ihrer Untätigkeit missachten Siemens und Voith weithin anerkannte internationale Standards zu Wirtschaft und Menschenrechten“, sagte Christian Russau von der Initiative Gegenströmung.

Voith teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen ziehe sich nicht auf seine Rolle als Zulieferer zurück, sondern setze sich gemeinsam mit Naturschutz- und Nichtregierungsorganisationen für hohe Standards bei der Umsetzung von Wasserkraftprojekten ein.

Grundsätzlich seien Energieprojekte für die Menschen vor Ort von Nutzen. „Sie leben unter zum Teil prekären Verhältnissen und haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Wasser, Bildung und Wohlstand. Um diese Menschen aus der Armut zu führen, braucht es wirtschaftliche Entwicklung“, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Angehörige und Kollegen von Cáceres machen die örtliche Baufirma Desa für den Anschlag auf die Umweltschützerin verantwortlich. Am Montag wurden in Honduras vier Verdächtige festgenommen. Mindestens einer der Männer soll ein Mitarbeiter von Desa sein. Das hat auch für Siemens und Voith die Lage noch einmal verändert.

„Natürlich würden wir uns aus einem Projekt zurückziehen, wenn ein Gericht einen Zusammenhang zwischen gewaltsamen Todesfällen und einem unserer Kunden nachweisen würde“, teilte Siemens auf Anfrage mit. „Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt“.

Auch Voith will sein Engagement in Agua Zarca auf den Prüfstand stellen. „Wir haben den Kunden in Honduras unverzüglich zu einer Stellungnahme zu diesen Berichten aufgefordert und prüfen derzeit parallel weitere Schritte“, sagte ein Voith-Sprecher.

Bereits nach dem Mord an Cáceres im März erklärte Voith, es werde unabhängig von den offiziellen Ermittlungen sein Engagement im Projekt Agua Zarca überprüfen und mit Desa etwaige Auswirkungen auf das Vertragsverhältnis erörtern.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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