Nach ARD-Dokumentation
Daimler rüffelt Undercover-Reporter

Daimler ist aufgebracht wegen einer Reportage über Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Mercedes. Der Konzern weist die Kritik zurück und vermisst den „fairen und professionellen Umgang“ mit der Redaktion des SWR.
  • 47

DüsseldorfDer Autokonzern Daimler weist Vorwürfe einer ARD-Dokumentation über die vermeintlich unzulässige Anstellung von Leiharbeitern zurück. Die Vorwürfe seien umgehend und sorgfältig geprüft worden. Teile des Films, für den der SWR-Reporter Jürgen Rose zwei Wochen im Stammwerk Untertürkheim gearbeitet hatte, seien „fingiert“. Außerdem träfen Vorwürfe einer unsauberen Abgrenzung der Arbeiten von Daimler-Mitarbeitern und per Werkvertrag beschäftigten Dienstleistern nicht zu.

Am Montagabend hatte die ARD eine 45-minütige Reportage des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) ausgestrahlt (hier in der ARD-Mediathek zum Abruf). Darin wird der Vorwurf erhoben, dass der Autokonzern über Subunternehmen Mitarbeiter zu Löhnen beschäftige, die ein Hartz-IV-Aufstocken möglich machen. Damit werde die Produktion des Luxusherstellers durch Steuergelder querfinanziert.

Der Reporter hatte bei einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, war dann an ein Logistikunternehmen ausgeliehen worden und von diesem bei Daimler eingesetzt worden. Dem Bericht zufolge habe er gleiche Arbeiten wie Daimler-Mitarbeiter ausgeführt und sei von diesen angeleitet worden. Ein Arbeitsrechtler beurteilt diese Praxis in der Dokumentation als illegal.

Der Automobilkonzern reagiert scharf: „Daimler hält die Vorgehensweise der SWR-Redakteure für überaus fragwürdig“, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme. Sie entspreche „in keiner Art und Weise dem fairen und professionellen Umgang zwischen SWR und Daimler, der in der Vergangenheit zwischen beiden Organisationen praktiziert wurde.“ Ein Sprecher formuliert es gegenüber Handelsblatt Online so: „Man kennt sich und man schätzt sich.“ Im aktuellen Falle hätten die Journalisten aber „zu keinem Zeitpunkt mit offenen Karten gespielt“.

Der Reporter hatte „undercover“ im Werk gearbeitet – also ohne das Unternehmen darüber zu informieren. Die Filmaufnahmen auf dem Gelände erfolgten ohne eine eigentlich erforderliche Genehmigung. Ob dagegen auch juristisch vorgegangen werde, wollte der Sprecher nicht sagen. Es gelte die Stellungnahme und „alles Weitere wird sich zeigen“.

Für 8,19 Euro pro Stunde arbeitete der Journalist an einem Band und musste Motorenteile für den Transport nach China verpacken. Sein monatlicher Bruttolohn von 1.220 Euro habe fast nur ein Drittel von dem betragen, was eine zumindest zeitweilig an gleicher Stelle arbeitende Daimler-Mitarbeiterin verdient habe.

Seite 1:

Daimler rüffelt Undercover-Reporter

Seite 2:

Auch im Fall Amazon wurde die ARD kritisiert

Kommentare zu " Nach ARD-Dokumentation: Daimler rüffelt Undercover-Reporter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Am Ende des Films lässt der Reporter sich den Bart abnehmen bei Meyer & Marks. Ob es ihn interessiert, dass dort ein Stundenlohn von unter sechs Euro die Stunde für die Angestellten mit Lehrabschluss gezahlt wird?

  • Offensichtlich ist der SWR genauso wie seit Jahren die Kollegen im Norden auf dem direkten Weg zum manipulativen Rotfunk.

    Den Daimler-Verantwortlichen kann man nur raten die zahlreichen Sponsoring- und Werbeaktivitäten für den SWR mit sofortiger Wirkung einzufrieren.

  • 1. Vorweg: Ich schließe mich allen Forderungen an, Arbeitnehmer/innen auskömmlich zu bezahlen.
    2. Undercover-Journalismus ist für mich grundsätzlich verwerflich. Hier sind die Grenzen des notwendigen journalistischen Dialogs nicht eingehalten.
    3. Der Reporter und der SWR haben in illegaler Weise Aufnahmen in den Daimler-Hallen gemacht. Das ist rechtlich unmöglich.
    4. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dem SWR nicht möglich war, in der Sendung einen O-Ton von Daimler zu den Vorhaltungen zu bekommen.
    5. Die "Hungerlöhne" basieren auf gültigen Tarifverträgen, die zwischen Gewerkschaft und AG-Verband vereinbart sind.
    6. Es fehlt die Recherche und der Bericht darüber, ob die verglichenen Daimlermitarbeiter/innen tatsächlich nur das tun, was der Undercover gemacht hat.
    7. Sehr dubios ist das Auftreten der Gewerkschaft und des Betriebsrats zum Vorgehen und zum Ergebnis des SWR-Reporters.
    8. Lohnend wäre eine Recherche im SWR, unter welchen Bedingungen dort externe Leute arbeiten, vom Kabelschlepper bis zum Mikrofonbalkenhalter.

    Manfred Pfaus, 74722 Buchen-Hettingen
    www.pfaus.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%