Nach Argentinien-Debakel
Repsol richtet sich neu aus

Repsol will mit 19 Milliarden Euro in die Investitionsoffensive gehen. Einen Großteil des Geldes will der Konzern für die Erschließung neuer Ölfelder ausgeben. An der Börse konnten die Pläne nicht überzeugen.
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MadridDer spanische Ölkonzern Repsol will sich mit einer Investitionsoffensive von der Verstaatlichung seiner Argentinien-Sparte erholen. Das Unternehmen kündigte am Dienstag an, in den nächsten vier Jahren 19 Milliarden Euro in den Ausbau der Geschäfte zu stecken. Gut drei Viertel der Gelder sollen in die Erschließung und Erkundung neuer Ölvorkommen fließen.

Ziel sei es, die Ölförderung bis 2016 jährlich um sieben Prozent zu steigern. Der Nettogewinn soll in diesem Zeitraum um 80 Prozent wachsen. Zur Finanzierung des Vorhabens will Repsol für vier bis 4,5 Milliarden Euro Konzernteile verkaufen. Zudem sollen die Mittel für weniger lukrative Geschäfte gekürzt und die Dividende gesenkt werden.

An der Börse konnten die Pläne allerdings nicht überzeugen. Die Anleger hielten sie für zu ehrgeizig. "Ambitionierte Wachstumsziele wurden schon häufig von großen Ölkonzernen verfehlt", gaben Analysten zu Bedenken. Zudem verdarb den Investoren die Aussicht auf eine geringere Gewinnbeteiligung die Laune. Die Repsol-Aktie fiel zeitweise um sieben Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief. Am Nachmittag konnte sie die Verluste etwas eingrenzen und notierte noch fünf Prozent schwächer. Repsol will künftig nur noch 40 bis 55 Prozent des Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Zuvor lag die Rate bei 63 Prozent und damit deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Angesichts des hohen Ölpreises treiben zahlreiche Branchengrößen wie BP, Shell und Total die Erschließung neuer Vorkommen voran. Experten zweifeln aber, ob sich die Investitionen wegen der hohen Kosten auch auszahlen. Repsol will sich nach der Vertreibung aus Argentinien künftig vor allem auf Ölfelder in anderen lateinamerikanischen Ländern, sowie in den USA und in Russland konzentrieren. Hoffnungsträger des Unternehmens ist insbesondere Brasilien. Vor der Küste dort hatte Repsol kürzlich ein großes Ölfeld entdeckt.

Mitte April hatte Argentinien die Repsol-Sparte YPF verstaatlicht. Die Tochter trug ein Viertel zum Repsol-Betriebsgewinn bei. Argentinien begründete den Schritt mit mangelnder Ausweitung der Produktion von Öl und Erdgas, um dem Land teure Importe zu ersparen. International stieß die Verstaatlichung auf massive Kritik. Repsol fordert milliardenschweren Schadensersatz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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