Nach Atomkompromiss: EnBW prüft Aus von Neckarwestheim I

Nach Atomkompromiss
EnBW prüft Aus von Neckarwestheim I

Der von der Bundesregierung verkündete Atomkompromiss geht zu Lasten älterer Reaktoren. Der Kernkraftwerksbetreiber Energie Baden-Württemberg bezweifelt nach dem Atomkompromiss die Rentabilität seines Reaktors Neckarwestheim I und erwägt, das Kraftwerk stillzulegen. Entscheidend sind die Sicherheitsauflagen.
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MONTREAL/DÜSSELDORF. "Man wird noch die baden-württembergischen Landtagwahlen im März 2011 abwarten, danach dürfte der Reaktor abgeschaltet werden", hieß es in Unternehmenskreisen.

Vorstandschef Hans-Peter Villis hatte sich am Wochenende zurückhaltend geäußert, aber schon entsprechende Überlegungen angedeutet. "Lohnt sich der Betrieb dauerhaft nicht, geht die Anlage vom Netz", sagte der Manager. Die Entscheidung sei abhängig von den Kosten für neue Sicherheitsanforderungen für Atommeiler. Sollten die Strompreise bei etwa 50 Euro je Megawattstunde bleiben, könne die Anlage bei einer Laufzeitverlängerung von acht Jahren maximal 120 Mio. Euro an zusätzlichen Kosten für Sicherheitsnachrüstungen tragen, sagte Villis.

Rücksicht auf Landtagswahl im März

Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hatte sich Anfang September darauf verständigt, die Laufzeiten der 17 Kernkraftwerke in Deutschland um durchschnittlich zwölf Jahre zu verlängern. Ältere Meiler wie Neckarwestheim I oder Biblis A des RWE-Konzerns sollen aber nur acht Jahre länger laufen dürfen, während jüngere Reaktoren vierzehn Jahre zugebilligt bekommen.

Im Gegenzug wird eine Brennelementesteuer eingeführt. Außerdem zahlen die Betreiber Geld in einen Fonds, aus dem die erneuerbaren Energien gefördert werden. Hinzu kommen Kosten für zusätzliche Sicherheitsnachrüstungen, die mit bis zu 500 Mio. Euro je Meiler anzusetzen sind.

In den informierten Kreisen hieß es weiter, es dürfte künftig schwierig werden, einen Reaktor wie Neckarwestheim I rentabel zu betreiben. EnBW werde allein aus Rücksicht auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) mit der Abschaltung noch warten. Mappus stellt sich am 27. März 2011 zur Wahl. Er hatte in den vergangenen Monaten vehement für die Verlängerung der Laufzeiten gestritten. Darauf müsse man Rücksicht nehmen, ehe man Neckarwestheim I abschalte, hieß es. Mappus steckt derzeit in einem Umfragetief.

Sicherheitsauflagen entscheiden

Entscheidend für die Frage, ob ein Reaktor abgeschaltet wird oder nicht, ist die Frage welche zusätzlichen Anforderungen an die Sicherheit gestellt werden. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen werden momentan im Bundesumweltministerium erarbeitet. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der der Kernkraft eher skeptisch gegenübersteht, drängt auf eine deutliche Steigerung des Sicherheitsniveaus auch für Anlagen, die nur acht Jahre länger laufen. In der Branche wird befürchtet, dass die Stellschraube Sicherheit nun gezielt so stark angezogen wird, dass sich der Weiterbetrieb der Meiler nicht mehr lohnt.

Die EnBW könnte aber die Strommengen, die der Konzern jetzt bekommen soll, bei einem Abschalten von Neckarwestheim I auf die eigenen Reaktoren Neckarwestheim II und Philippsburg übertragen, oder an andere Versorger veräußern. Das dürfte möglich sein, sagt Felix Matthes vom Öko-Institut.

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