Nach BHP/Rio Tinto
Die Zeit der Mega-Hochzeiten ist vorbei

Die Finanzkrise hat eine weitere Fusion zu Fall gebracht. Der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton sagte nach mehr als einjährigem Bemühen den Kauf des Rivalen Rio Tinto ab. Und damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Die Zahl der abgebrochenen Übernahmen ist auf einem Rekordhoch. An der Börse wird bereits über weitere Absagen spekuliert.

hgn/rob/jkn/ax FRANKFURT. Die Finanzkrise hat eine weitere Mega-Übernahme zu Fall gebracht. Der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton sagte gestern nach mehr als einjährigem Bemühen den Kauf des Rivalen Rio Tinto ab. Die Transaktion mit einem Wert von zuletzt 58 Milliarden Euro ist der bislang größte geplatzte Deal.

Neben den Problemen an den Finanzmärkten sowie den rasant gefallenen Rohstoffpreisen spielten auch die drohenden Schulden eine Rolle beim Scheitern der Übernahmepläne. So hätte Rio Tinto alleine 42 Milliarden Dollar (rund 32 Milliarden Euro) an Verbindlichkeiten in die neue Firmenehe eingebracht. "BHP ist sehr auf die Stärke der Bilanz fokussiert", begründete BHP-Chef Marius Kloppers gestern das Ende der Fusionsbemühungen.

Das Aus für den Megadeal zeigt, wie stark der Gegenwind für große Transaktionen geworden ist. Nach Berechnungen des Datendienstleisters Dealogic ist die Zahl der abgebrochenen Übernahmen 2008 um 37 Prozent auf 1 188 gestiegen - ein Rekordwert.

Erst Anfang Oktober hatte der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata den Kauf des Platin-Spezialisten Lonmin abgesagt. Und: "Es werden sicherlich noch mehr Deals abgesagt, die bis zum ersten Quartal dieses Jahres auf den Weg gebracht wurden", prognostiziert Kai Lucks, der Vorsitzende des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions.

Skeptisch beäugt an den Finanzmärkten wird etwa die Übernahme des Automobil-Zulieferers Continental durch den Familienkonzern Schaeffler. So verloren die nachträglich zum Verkauf eingereichten und gesondert gehandelten Aktien von Continental gestern nach der Absage des BHP-Deals zeitweise sieben Prozent - ein untrügliches Zeichen dafür, dass immer mehr Investoren mit einem Scheitern der Übernahme rechnen. Auch in Bayern gibt es offenbar entsprechende Sorgen. Am Montag sprach nach Informationen des Handelsblatts der neue bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon mit der Conti-Führung, um über mögliche Probleme bei der Übernahme zu sprechen.

Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler bekräftigte indes gestern bei einer Rede in Hannover, an der Übernahme festhalten zu wollen. Man glaube fest an die gemeinsame Zukunft mit Conti.

Die heiklen Punkte bei den riesigen Transaktionen liegen fast immer in den Details der Finanzierung. Zum einen gerät immer öfter die sogenannte Verbriefung ins Stocken, also das Weiterreichen der Kredite durch die Konsortialbanken an andere Institute. Zum anderen gewinnt eine solide Bilanz angesichts der Kreditklemme an Bedeutung. Die Unternehmen scheuen zunehmend neue Schulden.

Kein Wunder, dass an der Börse noch über weitere Absagen spekuliert wird. So zweifeln Investoren zunehmend an der 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Biotechunternehmens Genentech durch Roche. Obwohl der Schweizer Pharmakonzern 90 Dollar je Aktie geboten hat, notiert das Genentech-Papier bei lediglich 77 Dollar. Auch die Gespräche zwischen der spanischen Fluggesellschaft Iberia und British Airways befinden sich Branchenkennern zufolge in einer schwierigen Phase. Einen weiteren Wackelkandidaten gibt es im Finanzsektor. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir Ähnliches bei der Deutschen Bank und ihrem Einstieg bei der Postbank erleben werden", sagt Martina Ecker von der Investmentbank Jeffries.

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