Nach Bilanzskandal
Geschasster Olympus-Chef will zurück an die Spitze

Nachdem der gefeuerte Chef Michael Woodford den Bilanzskandal aufgedeckt hat, soll nichts bleiben, wie es war. Während Olympus scharfe Kontrollen ankündigt, will sich der geschasste Brite seinen Chefposten zurückerobern.
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TokioNach dem Bilanzskandal bei Olympus soll nichts mehr bleiben wie es war: Der japanische Kamerahersteller verspricht einen radikalen Neuanfang und will scharfe Kontrollen für das Management einführen und alle Verantwortlichen für den jahrelangen Betrug ausfindig machen. Das kündigte der amtierende Firmenchef Shuichi Takayama am Mittwoch in Tokio an und er bekräftigte, dass sich die heutige Führung zurückziehen werde, sobald die Ergebnisse für das zweite Quartal übermittelt und die in Misskredit geratene Firma wieder auf den Weg gebracht worden sei.

Eine außerordentliche Aktionärsversammlung könnte bereits für Ende Februar angesetzt werden. Takayama zufolge ist dies der früheste Termin für einen Rücktritt des Managements. Er räumte zugleich ein, dass die finanzielle Lage der Firma angespannt sei und der Verkauf von Geschäftsteilen oder eine Kooperation mit einem anderen Unternehmen nötig sein könnten.

Zugleich teilte Olympus mit, Direktor Makoto Nakatsuka habe die Führungsmannschaft bereits verlassen. Damit ist er der dritte Top-Manager, der seit Bekanntwerden des Bilanzskandals ausscheidet. Am Tag zuvor hatte eine unabhängige Untersuchungskommission bereits den Austausch der Führungskräfte gefordert, die von den illegalen Machenschaften wussten. Zwei hochrangigen ehemaligen Managern wird vorgeworfen, vorsätzlich Verluste von 1,3 Milliarden Euro verschleiert zu haben. Zudem kritisierten die Experten in ihrem Bericht die externen Wirtschaftsprüfer. Nur durch Unterstützung von Außen sei es möglich gewesen, seit 1998 Verluste aus Wertpapiergeschäften als Kosten für Beratungen und Firmenzukäufen auszuweisen. Laut dem Bericht hat der Konzern Verluste von 134,8 Milliarden Yen (1,3 Milliarden Euro) verschleiert. Die Experten forderten daher juristische Konsequenzen. Olympus setzte am Mittwoch eine Kommission ein, um rechtliche Schritte zu prüfen. Auch die Rolle der Rechnungsprüfer werde untersucht.

Bis Mitte Dezember muss Olympus einen aktuellen Quartalsbericht vorlegen, sonst wird das Unternehmen von der Börse in Tokio verbannt.

Das Management musste den massiven Bilanzbetrug einräumen, nachdem der gefeuerte Chef Michael Woodford Mitte Oktober mit seinen Vorwürfen an die Medien ging. Der Brite will inzwischen eine Aktionärsfront organisieren, um an die Olympus-Spitze zurückzukehren. Er und einige Anteilseigener zweifeln an, dass die von der heutigen Führung eingesetzte Untersuchungskommission die Affäre lückenlos aufklären kann.

„Es wird große Veränderungen geben“

Noch immer gibt es keinen designierten Nachfolger für den Chefposten. Ein außerordentliches Aktionärstreffen mit der Berufung einer neuen Führung werde wohl nicht vor Ende Februar einberufen, betonte Takayama. Zum Plan von Woodford, an die Spitze zurückzukehren, sagte er lediglich, dass könne nur eine Aktionärsversammlung entscheiden. Zugleich sagte Takayama, er schätze es, dass Woodford Fragen zu den verdächtigen Deals aufgeworfen habe. Es ist das erste Mal, dass ein Olympus-Verantwortlicher öffentlich freundliche Worte für den Mitte Oktober geschassten Briten fand.

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