Nach Bürgerprotesten
Erneuter Rückschlag für den Transrapid

China hat die geplante Verlängerung der Strecke von Schanghai in das rund 170 Kilometer entfernte Hangzhou nach Anwohnerprotesten auf Eis gelegt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldet, hätten sich Tausende von Anwohnern entlang der künftigen Transrapid-Linie bei den lokalen Behörden beschwert. Sie fürchten vor allem Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Strahlen.



HB SCHANGHAI. „Das Projekt ist in Absprache mit der Stadtregierung ausgesetzt worden“, bestätigte am Samstag ein Sprecher der lokalen Behörden im Stadtteil Minhang, wo allein 5000 Menschen gegen den Transrapid protestiert haben sollen. In den vergangenen Wochen hatten bereits zahlreiche Bürger in anderen Bezirken gegen den zunächst vorgesehenen ersten und nur 34 Kilometer langen Ausbau der Strecke zum zweiten Schanghaier Flughafen Hongqiao demonstriert.

Mit dem Aufschub steht nun auch dieser Ausbau in Frage. Der Xinhua-Bericht erweckt zumindest den Eindruck, dass auch diese erster Streckenabschnitt, der über das Expo-Gelände führen und bis zur Weltausstellung 2010 fertig sein soll, in Frega gestellt ist. „Es ist unmöglich, das Projekt noch vor 2010 zu beendigen“, zitiert Xinhua Wang Qingyun, einen für Transport zuständigen Beamten der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission NDRC.

Siemens-China-Chef Richard Hausmann hatte erst am Donnerstag während des Besuches von Bundespräsident Horst Köhler in Peking erklärt, er sei „zuversichtlich“, dass der Transrapid-Ausbau über das Expo-Gelände bis zum Flughafen Hongqiao genehmigt werde. Allerdings hatte Hausmann schon vor Wochen gedrängt, dass eine baldige Unterschrift nötig sei, um das Projekt noch rechtzeitig fertig stellen zu können. Am Samstag wollte sich der Siemens-Manager auf Anfrage nicht mehr äußern.

Pikant: Der Transrapid wurde von den Chinesen genau an dem Tag ausgebremst, an dem Bundespräsident Köhler zum Ende seiner viertägigen China-Reise mit einer Fahrt in der deutschen Magnetschwebebahn dem Projekt Rückenwind gab.

Der Ärger der Anwohner richtet sich nicht gegen die deutsche Technologie, sondern gegen das undurchsichtige Genehmigungsverfahren sowie gegen mögliche gesundheitliche Belastungen – etwa durch Unfallgefahr, magnetische Strahlungen und einen mangelnden Lärmschutz. Die Sorgen werden vom Transrapid-Konsortium (Thyssen und Siemens) in Berlin jedoch als unberechtigt zurückgewiesen.

Auf dem Expo-Gelände, wo bereits mit den ersten Bauarbeiten für den Transrapid-Anschluss begonnen worden sind, spielt der Schwebezug aus Deutschland keine so große Rolle wie oft angenommen wird. In der Präsentation der Manager über die Verkehrsplanung taucht der Transrapid gar nicht auf. „Damit kommen ohnehin nur ein Prozent der Gäste“, erklärt einer der Expo-Planer.

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