Nach Daimler-Chrysler Hauptversammlung
Spekulation um weitere Amtszeit Schrempps

Nach der für Aktionärsschützer und einige Fondsgesellschaften wohl unerwartet hohen Zustimmung zur Entlastung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, rechnen einige damit, dass der umstrittene Top-Manager nun doch eine weitere Amtszeit anhängen wird.

HB DÜSSELDORF. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch kam bereits das Gerücht auf, Schrempp sei einer Verlängerung seines Vertrages ab 2008 nicht abgeneigt. Das sagte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Lars Labryga, gegenüber dem Handelsblatt. Am Mittwoch Abend stimmten auf dem Aktionärstreffen fast 95 Prozent für die Entlastung des Konzernchef.

Aktionärsschützer hatten gehofft, dass Schrempp auf der Hauptversammlung im Berliner Kongresszentrum einen Denkzettel erhält, indem 20 Prozent gegen ihn stimmen. Jetzt sieht Labryga jedoch Schrempps Position und Kurs durch das Abstimmungsergebnis bestätigt. Auch an den Aufsichtsrat um Schrempps Duzfreund Hilmar Kopper sei diesmal kein Signal für eine Ablösung gegangen. Im vergangenen Jahr hatten noch zwölf Prozent den anwesenden Stimmen die Entlastung verweigert.

Die Spekulationen über die Verlängerung kommen durchaus überraschend. Ursprünglich hieß es in mit dem Unternehmen vertrauten Kreisen immer, dass Schrempp schon 2007 gemeinsam mit Aufsichtsratschef Kopper abtreten will. Eigentlich endet die laufende Amtszeit des derzeit 60-jährigen Schrempp erst 2008. Als Nachfolger wurde zuletzt vor allem Eckhard Cordes, derzeit Daimler-Chrysler-Vorstand und Chef der Mercedes Car Group (MCG), gehandelt. Vorausgesetzt: Er schafft den Umschwung bei der angeschlagenen MCG, zu der neben Mercedes auch Smart und Maybach gehören.

Ein Sprecher von Daimler-Chrysler wollte sich nicht zu dem Gerücht äußern. Er sagte allerdings, dass die Entscheidung, ob Schrempp nach 2008 weitermachen darf, beim Aufsichtsrat liege.

Schrempp ist seit 1995 Vorstandsvorsitzender des Konzerns und hat von Anfang an einen scharfen Expansions- und Internationalisierungskurs gefahren. Seine Konzernstrategie beruht auf vier zentralen Säulen: globale Präsenz, technologische Führerschaft, starke Marken und eine breite Produktpalette. 1998 verschmolz er deshalb Daimler Benz mit dem amerikanischen Autobauer Chrysler. Später kaufte er noch Beteiligungen am japanischen Autohersteller Mitsubishi Motors und an der koreanischen Hyundai Motor Company.

Die Transaktionen stellten sich aber im Nachhinein als schwierig heraus. So trennte sich Daimler-Chrysler 2004 wieder vom Mitsubishi Anteil. Vor allem die Fondsgesellschaften DWS und Union Investment kritisierten auf der Hauptversammlung am Mittwoch scharf Schrempps Expansions-Strategie in den vergangenen Jahren. Sie habe Aktienwert vernichtet. Von der US-Zeitschrift "Business Week" war Schrempp Anfang 2004 zum weltweit "Schlechtesten Manager des Jahres" gekührt worden.

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