Nach dem Abgas-Skandal
Der Diesel stirbt aus

Der liebste Antrieb der Deutschen hat keine Zukunft, hat eine neue Studie errechnet. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil des Diesels am Neuwagen-Verkauf massiv sinken. Gewinner sind elektrische Antriebe.
  • 24

DüsseldorfIn VW-Chef Matthias Müller sind in den vergangenen Monaten offenbar die Zweifel gewachsen. Der Konzernchef, der immer ein leidenschaftlicher Anhänger des Diesels galt, meldete zuletzt im Handelsblatt-Interview erhebliche Zweifel an der Zukunft der Technologie an. „Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen“, erklärte Müller. „Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht.“

Wie es weitergehen könnte haben nun die Unternehmensberater von Alix Partners in ihrer Studie „Global Automotive Outlook 2016: Automobilindustrie am Wendepunkt“ errechnet. Die Prognosen für den Diesel sehen demnach so düster aus, wie Müller es befürchtet. Heute macht der Selbstzünder bei kleinen Fahrzeugen noch 40 Prozent der Verkäufe aus, bei großen Fahrzeugen wie beispielsweise SUVs sind es sogar knapp über 70 Prozent. Dieser Marktanteil wird nach Ansicht der Berater in den kommenden 15 Jahren deutlich schrumpfen. Bei Kleinwagen werden demnach nur noch fünf Prozent Diesel gekauft, bei Großen nur noch 13 Prozent.

„Im Jahr 2030 wird der Kunde zwischen elektrischen und mit Kraftstoff betriebenen Autos wählen können, die in Reichweite, Preis und Leistung auf gleichem Niveau sind,“ sagt Auto-Experte Elmar Kades, Managing Partner bei Alix Partners. Dann seien Kundenpräferenzen und mögliche regionale Emissionsbeschränkungen entscheidend im Kampf der Antriebsstränge. Den enormen Imageschaden durch die Abgasaffäre für den Dieselantrieb belegt auch eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen.

Gerade die Politik hat rund um den Dieselskandal viel Vertrauen in die Technologie verloren. Schon heute, das zeigen unter anderem die jüngsten Tests des Kraftfahrtbundesamtes, stoßen selbst Euro-6-Dieselmotoren mehr als fünf Mal so viel Stickoxid aus wie es der Grenzwert vorschreibt. Nach den Messungen der internationalen Forschungsgemeinschaft ICCT liegen die Grenzüberschreitungen sogar noch höher. Um den Diesel sauberer zu machen, müssen die Hersteller teure Abgasreinigungssysteme verbauen. Insgesamt steigen die Materialkosten für einen Dieselmotor nach seinen Schätzungen um 35 bis 40 Prozent.

Während der Diesel immer teurer wird, sinken parallel die Batteriepreise, die heute noch einen Großteil des Preises für ein Elektroauto ausmachen. Der Preis pro Kilowattstunde werde bis 2025 auf 140 bis 160 Dollar fallen, sagen die Unternehmensberater von Alix Partners. Darüber hinaus steige die Leistungsfähigkeit. Damit sei der Elektroantrieb schon in wenigen Jahren wettbewerbsfähig – zumindest mit staatlicher Unterstützung.

Und der Gesetzgeber könnte den Umstieg weiter beschleunigen. Ab 2021 soll der neue Zyklus WLTP zum neuen Standard werden. Neben dem Stickoxid muss auch der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 weiter reduziert werden. Bis 2030, so sagen es die Unternehmensberater voraus, dürften Kleinwagen nicht mehr als 50 Gramm pro Kilometer erzeugen, bei großen Fahrzeuge liege der Grenzwert dann bei 65 Gramm.

Kommentare zu " Nach dem Abgas-Skandal: Der Diesel stirbt aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Bauer

    << Die Diesel-PKW-Flotte ist winzig im Vergleich zu allen Diesel-getriebenen LKWs, Baumaschinen, Schiffen, Stromerzeugern. >>

    Winzig? Das wird VW freuen. Dann dürften deren Umsatzeinbußen ja nur Peanuts sein.

    Worum es mir hier ging, ist die Luftbelastung, denen der Mensch ausgesetzt ist. Und da geht es nun mal um die Innenstädte, weniger um die Fernverkehrsrouten oder die Meere. (Allerdings auch um die massenhaften Ausflugsschiffe, etwa auf der Spree!)
    Und Vollgas mit einem Benziner wird in der Stadt auch nicht so häufig gefahren. Insbesondere nicht mit einem 500 PS-Motor!

  • Tja, warum erwähnt das niemand? Zu kaufen gibt es die Erdgasautos in Deutschland bereits seit 1994! Zudem sind sie steuerbegünstigt. Der große Renner ist es nicht geworden, die Anzahl der Fahrzeuge und der Tankstellen ist rückläufig.

  • Warum erwähnt eigentlich niemand, dass es auch noch zB Erdgas gibt, das wesentlich sauberer verbrennt als herkömmliche Kraftstoffe? Und sogar sauberer ist als ein Elektroauto, das mit dem deutschen Strommix geladen wird? Außerdem wird mehr Biogas ins Erdgasnetz eingespeist als sämtliche Erdgasfahrzeuge in Deutschland verbrauchen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%