Nach dem Abgas-Skandal
Katar will bei VW stärker mitreden

In den Jahren des Erfolges schienen die Machtverhältnisse bei Volkswagen wie zementiert. Nun stehen die Zeichen in Wolfsburg allerdings auf Wandel. Als Folge der Diesel-Krise wird der Aufsichtsrat wohl umstrukturiert.

Wolfsburg/DohaIm mächtigen Präsidium von Volkswagen wird künftig wohl auch Englisch gesprochen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass der innerste Zirkel der VW-Kontrolleure demnächst internationaler auftreten will. Der Auslöser ist vielmehr die sich anbahnende neue Zusammensetzung des Aufsichtsrats-Gremiums: Der drittgrößte Aktionär Katar soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur künftig auch Teil dieser engsten Gruppe werden. Und damit nicht genug: Um die Balance zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite zu erhalten, soll das bislang sechsköpfige Gremium in diesem Zuge auf acht Mitglieder aufgestockt werden.

Was für Außenstehende als vermeintlich kleines Zahlenspiel erscheint, lässt tief in die Machtarchitektur bei Europas größtem Autobauer blicken. Denn so lange der Wunsch des Emirates auch bereits bestehen mag: Ohne die weltweite Diesel-Krise hätte es die Umstrukturierung wohl noch lange nicht gegeben. In den Jahren des Erfolges schienen die Machtverhältnisse bei Volkswagen wie zementiert.

Mehr als sieben Monate nach dem Bekanntwerden des Skandals haben bei VW aber nun auch die starrsten Strukturen Risse bekommen, über Jahre etablierte Machtverhältnisse sind aus den Fugen geraten. Auf allen Ebenen des rund 600 000 Mitarbeiter starken Konzerns haben die Manipulationen an mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen Spuren hinterlassen. Angefangen vom neuen Konzernchef Matthias Müller über einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze bis hin zu umfassenden Neubesetzungen bei sechs von neun Vorstandsposten. Bei Volkswagen liegt im April 2016 kaum ein Stein dort, wo er vor einem Jahr war.

Seit 2009 ist das finanzkräftige Emirat Katar drittgrößter Anteilseigner in Wolfsburg, nach den Inhaberfamilien Piëch/Porsche sowie dem Land Niedersachsen. Rund 17 Prozent von Volkswagen gehören den Scheichs, gebündelt wird das Investment in einer eigens gegründeten Holding. Dafür hat Katar zwei Plätze im 20-köpfigen Gesamt-Aufsichtsrat, der seit dem vergangenen Jahr vom ehemaligen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch geleitet wird. So weit, so gut.

Während sich das Emirat in den vergangenen sieben Jahren gut damit arrangieren konnte, kochten im Zuge der Krise alte Begehrlichkeiten wieder hoch. Wann immer das Präsidium in den letzten Monaten zu wichtigen Sitzungen zusammenkam, blieben die Katarer außen vor. Tonangebend waren - wie im gesamten Aufsichtsrat - die Vertreter von Land und Arbeitnehmerseite sowie natürlich des Porsche/Piëch-Clans.

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