Nach dem Autogipfel
Wie die Dieselkrise Händler und Werkstätten trifft

Für die Autobauer war der Dieselgipfel ein Erfolg. Viele Kunden lässt der Kompromiss ratlos zurück – und auch bei Händlern und Werkstätten ist die Unsicherheit groß. Sie fürchten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
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DüsseldorfDietmar Clysters und seine Mitarbeiter brauchen derzeit ein breites Kreuz. „Wir sind der Prellbock für Sachen, für die wir gar nichts können“, sagt der Autohändler aus Edingen-Neckarhausen, einem kleinen Ort zwischen Mannheim und Heidelberg. Und natürlich geht es dabei, wie so oft in diesen Zeiten, um den Diesel. Da helfen auch Umwelt-Prämien nichts, die nach Ford, BMW, Toyota und Daimler nun auch VW angekündigt hat.

Die Debatte um den Diesel, um mögliche Fahrverbote und auch eine zuweilen übertriebene Berichterstattung darüber hätten viele Kunden verunsichert – und die bräuchten nun jemanden, mit dem sie diskutieren, bei dem sie ihren Ärger loswerden könnten.

Auch wenn das meist gar nicht böse gemeint sei: „Der Kunde hat ja niemanden, bei dem er sich beschweren kann“, sagt Clysters, der Fahrzeuge diverser Marken verkauft und auch Obermeister der Kfz-Innung Rhein-Neckar-Odenwald ist.

Doch der bloße Ärger der Kunden könnte noch die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm sein. Denn auf Händler und Autowerkstätten in ganz Deutschland kommt in den nächsten Wochen wohl noch einiges zu. Unter anderem eine Menge Arbeit: Die 5,3 Millionen Software-Updates, die am Mittwoch auf dem Dieselgipfel beschlossen wurden, müssen nun schließlich auch abgearbeitet werden.

Betroffen sind davon aber wohl weniger freie Betriebe, wie der von Clysters, sondern insbesondere die 16.800 Vertragswerkstätten in Deutschland: Da die Automobilindustrie gegenüber der Politik die Übernahme der Kosten zugesichert hat, werden die Autobauer Wert darauf legen, dass die Software-Updates in den Vertragswerkstätten der Händler aufgespielt werden, sagt Axel Koblitz vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Die Vertragswerkstätten werden sich für den Ansturm der Kunden rüsten, auch wenn sie derzeit nicht gerade über mangelnde Auslastung klagen.“ Dass die Werkstätten auch mit Massenrückrufen umgehen könnten, zeigten die bereits erfolgten Software-Updates bei VW, so Koblitz.

Wie viel das kostet, sei bisher noch nicht absehbar. Es fehlten schlichtweg Informationen der Hersteller darüber, wie der Rückruf ablaufen soll, bemängelt Koblitz. Der ZDK fordert zudem, dass der zusätzliche Aufwand, der durch die Zusagen beim Dieselgipfel entsteht, vom Hersteller vergütet wird.

Insbesondere dürften die Betriebe nicht mit einem Entgelt für das bloße Aufspielen der Software-Updates abgespeist werden, warnt der Verband. Damit werde die tatsächliche Arbeit nicht angemessen vergütet, die auch Auftragsannahme, Vorbereitung des Autos Fahrzeugs und Kontrolle des Updates umfasse. Außerdem müssten die Werkstätten Ersatzautos bereit halten, falls sie nicht alle Rückruf-Aufträge sofort abarbeiten könnten, heißt es vom ZDK. „All das fließt in den Aufwand der Betriebe mit ein“, mahnt der Verband.

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  • Das gönne ich den Markenwerkstätten, nach dem was ich erlebt habe.
    In der ersten Werkstatt weigerte man sich, mein Auto zu reparieren, ohne das Software-Update zu installieren oder alternativ ohne dass meine Weigerung an die Behörden gemeldet wird.

    Als ich dann zu einer anderen Markenwerkstatt ging, wurde das Update unter Vortäuschung falscher Tatsachen aufgespielt. Es handele sich um ein anderes, völlig harmloses Update. Hätte ich das gewusst, wäre ich zu einer freien Werkstatt gegangen.

    Es kann mir keiner weismachen, dass eine Software-Änderung die Abgaswerte ändert, ohne dass sich andere Parameter wie Verbrauch, Leistung oder Lebensdauer ändern. Sonst wäre die ganze Schummelei doch nicht nötig gewesen. Wenn ich mit einer Software-Änderung mal so eben schnell die Abgaswerte ohne Nebenwirkungen reduzieren kann, so wäre das doch bereits längst geschehen, bevor die Sache aufflog.

    Oder gibt es denn einen gerichtsfesten Nachweis, dass das Update keine Nebenwirkungen hat? Insbesondere bei der Lebensdauer dürfte das schwierig sein.

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