Nach dem gescheiterten Einstieg von Siemens ist die Zukunft des Konzerns weiter unklar
Aktionäre machen Weg frei für Kapitalerhöhung von VA Tech

Die Führungsspitze von VA Tech kann aufatmen. Im zweiten Anlauf haben die Anteilseigner des Technologiekonzerns gestern in Linz die dringend erforderliche Kapitalerhöhung genehmigt. Damit kann das defizitäre Unternehmen nach den Turbulenzen der letzten Wochen wieder auf Wachstumskurs gehen. Die Österreicher wollen sich das frische Kapital noch in diesem Jahr an der Börse besorgen.

jojo LINZ. Zu den derzeitigen Aktienkursen kämen etwa 150 Mill. Euro in die Kasse. Im Frühjahr war der Vorstand mit seinen Plänen für die Kapitalerhöhung überraschend am Widerstand von Großaktionär Mirko Kovats gescheitert. Kovats war es im April auf der Hauptversammlung gelungen, zahlreiche andere Anteilseigner hinter sich zu bringen. Gestern dagegen stimmten die Vertreter des Wiener Industriellen wie fast alle anderen Aktionäre dem Vorhaben zu. Der 56-Jährige selbst war nicht gekommen.

Kovats sorgte zuletzt für viel Wirbel in Österreich, weil er VA Tech zusammen mit Siemens übernehmen wollte. Der deutsche Konzern gab seine Pläne vor zwei Wochen auf öffentlichen Druck aber auf. Österreichische Politiker hatten befürchtet, dass bei einer Übernahme tausende Stellen gestrichen würden. Auch der VA-Vorstand machte Front gegen den Angriff der Deutschen. Kovats ist mit einem Anteil von mehr als 15 Prozent größter Aktionär vor der staatlichen Privatisierungsholding ÖIAG mit knapp 15 Prozent.

VA Tech ist mit fast vier Mrd. Euro Umsatz und rund 17 000 Mitarbeitern eines der wichtigsten Unternehmen Österreichs. Allerdings schrieb die Firma in den letzten Jahren meist rote Zahlen. Auch für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Klaus Sernetz wegen hoher Sanierungskosten mit einem Verlust von 65 bis 70 Mill. Euro. Für kommendes Jahr verspricht der Manager dagegen mehr als 50 Mill. Euro Gewinn. Die Aufräumarbeiten im Konzern würden noch 2004 abgeschlossen. „Die Märkte auf allen unseren Geschäftsgebieten sind ausgezeichnet“, sagte Sernetz gestern.

Wichtigster Bereich von VA Tech ist der Stahlanlagenbau. Das Geschäft boomt, weil die Stahlpreise zuletzt kräftig gestiegen sind und in Schwellenländern wie China ein enormer Bedarf herrscht. „Wir sind äußerst gut unterwegs“, unterstrich Vorstand Gerhard Falch. Darüber hinaus sind die Linzer im Kraftwerksgeschäft und der Energieübertragung engagiert.

Vorstandschef Sernetz versicherte den Aktionären, dass die Kapitalerhöhung nicht für den Konzernumbau benötigt werde. Stattdessen werde das Geld für das künftige Wachstum verwendet. Sernetz: „Wir brauchen die Kapitalerhöhung, sonst bekommen wir keine Unterstützung der Banken bei unserer Expansion.“

Die gescheiterte Übernahme durch Siemens hätte jedoch tiefe Spuren hinterlassen. „Unsere Kunden ertragen die Turbulenzen. Aber ich höre zunehmend Verunsicherung“, betonte Vorstand Christian Habegger. „Kunden und Mitarbeiter fragen sich, was los ist.“

Die Unsicherheit wird allerdings auch in den kommenden Wochen anhalten. Denn nach wie vor ist völlig unklar, was Großaktionär Kovats mit seinem Anteil langfristig vor hat. Ebenso offen ist, wie die ÖIAG sich von ihren Aktien trennen will, wie es ihr Auftrag ist. Darüber hinaus haben in den vergangenen Tagen auch US-Investoren kräftig VA-Aktien gekauft. Schon gibt es Spekulationen, General Electric könnte einsteigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%