Nach dem Löscher-Rückzug
Neue Chefs bei Siemens

Alles neu macht der September: Bei Siemens muss die Personalchefin gehen, nun benannte der Konzern ihren Nachfolger. Zudem wurden die Namen des neuen Finanzchefs und des neuen Aufsichtsratsvizes offiziell verkündet.
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MünchenNun ist es offiziell: Das Siemens-Spitzenduo Joe Kaeser und Gerhard Cromme richtet die Führungsgremien des Konzerns neu aus. Im Vorstand sitzen nach den Beschlüssen des Aufsichtsrats vom Mittwoch künftig nur noch Männer - fast alles Deutsche, von denen die meisten den Großteil ihres Berufslebens bei dem Technologieriesen verbracht haben. Der neue Vorstandschef Kaeser hatte sich zu seinem Amtsantritt am 1. August vor allem Ruhe für den Konzern gewünscht.

Mit den Neubesetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat, wo SAP-Co-Chef Jim Snabe den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ersetzt, kann Kaeser nun hoffen, dass die Führungsspitze nicht mehr wie zuletzt durch Macht- und Ränkespiele das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zieht.

Als letzte Vorstands-Frau verliert Personalchefin Brigitte Ederer ihren Posten. Die menschlich sehr beliebte Österreicherin war fachlich nie unumstritten. Sie verlor nun einen Machtkampf mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall und verlässt den Konzern Ende September. Mit dem bereits angekündigten Abgang von Einkaufschefin Barbara Kux ist der Siemens-Vorstand ab Herbst wieder eine reine Männerrunde. Rechtsvorstand Peter Solmssen ist mit seinem US-Pass der letzte Ausländer.

Konzernkreisen zufolge will Cromme den Vorstand von zuletzt zehn auf insgesamt sieben Mitglieder verkleinern. Mit dem Abgang der beiden Frauen ist der Zirkel damit noch immer um einen Posten zu groß. Kenner rechnen damit, dass früher oder später auch Solmssen ausscheidet, nachdem Siemens schon länger mit der Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre abgeschlossen hat.

Im Umfeld des Siemens-Konzerns wurde spekuliert, Ederers Abgang sei bereits seit der Kaeser-Berufung klar gewesen. „Die IG Metall hat da Druck auf Cromme aufgebaut“, sagte ein Insider.

Die ehemalige SPÖ-Politikerin Ederer war von ihrem österreichischen Landsmann Peter Löscher in die Konzernzentrale geholt worden. Löscher war als Siemens-Chef Ende Juli nach einer langen Reihe von Misserfolgen gestürzt worden. Experten zufolge dürfte Ederer nach Löschers Abgang dem freien Spiel der Kräfte im Aufsichtsrat ausgeliefert gewesen sein.

Die Belegschaftsvertreter räumten ein, sie hätten Streit mit der 57-jährigen Ederer gehabt. „Es gab mit der scheidenden Arbeitsdirektorin Auseinandersetzungen hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen und in Fragen der Unternehmenskultur“, erklärte ein Betriebsratssprecher. Das Verhältnis der „roten Gitti“ zu den Arbeitnehmervertretern sei gestört gewesen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Ein Kenner sagte, die Aufsichtsräte der Kapitalseite hätten es als heikel betrachtet, dass das Verhältnis zwischen der Personalchefin und den Arbeitnehmervertretern anhaltend gespannt gewesen sein. Ederer selbst und auch Betriebsratschef Lothar Adler waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ederer kann nach den Siemens-Regeln mit einer Schlusszahlung von etwa fünf Millionen Euro rechnen.

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Wenning neuer Cromme-Vize

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  • Hr. Wenning ist ein Kontrolleur alter Schule - mit viel zu wenig Zeit. Cromme kennt den gut, daher von diesem ein sehr geschickter Schachzug zur Stützung der eigenen Macht.

    Gut, das der lahme Sen nicht Finanzvorstand wird, der kann nur Zahlen und schön Power Point präsentieren. Siemens hat schon genug Eierköpfe wie ihn.
    Hr. Thomas kann deutlich mehr - auch strategisch denken.

  • Zitat : Neue Chefs bei Siemens

    - diese neuen Chefs werden den Untergang dieses SIEMENS-Konglomerats auch nicht aufhalten können !

    Durch die Konstellation dieses Konzerns ist ein zu großer Nährboden für Dilettanten im Management, insbesondere in der Zentrale, gezeugt !

    Der Laden gehört nach Sparten aufgeteilt ( was für Synergien hat ein Bahnbereich mit dem Bereich der Medizintechnik zu tun ? ) !
    Die Erbsenzähler Joe & Sen könnte man auch durch paar Hausfrauen ersetzen, denn die haben genauso viel Ahnung von diesem Technologiekonzern , und das würde keiner merken !

    Good Bye Siemens, der Leidensweg wird aber noch etwas dauern !

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