Nach dem Piëch-Abgang
Macht-Probe bei VW

Wer wird Martin Winterkorn beerben? Betriebsratschef Osterloh stärkt dem neuen Markenvorstand Diess den Rücken. Derweil laufen sich jüngere Mitglieder des Eigentümerclans Porsche/Piëch für höhere Aufgaben warm.
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Frankfurt/MünchenDrei Monate ist es her, da räumte VW-Patriarch Ferdinand Piëch das Feld in Wolfsburg. Aber der Schock über den Abgang des Patriarchen ist nicht verheilt - weder bei VW-Chef Martin Winterkorn noch bei der Familie Porsche/Piëch. Ein Machtvakuum können und wollen sich Führung und Eigentümer indes nicht leisten.

Die Absatzprobleme in den größten Märkten China und den USA sowie die Renditeschwäche der Kernmarke VW werden am Mittwoch noch einmal ins Bewusstsein der Aktionäre rücken. Dann legt VW die Bilanz fürs erste Halbjahr vor.

Umso wichtiger ist es dem Konzern selbst, in den nächsten Wochen Schritt für Schritt einen geordneten Generationswechsel einzuleiten. Für gleich drei Vorstände - Vorstandschef Martin Winterkorn, Personalchef Horst Neumann und Finanzchef Hans Dieter Pötsch - müssen Nachfolger gefunden werden, da sie bald aus Altersgründen ihre Ämter abgeben werden.

Ob die Position des scheidenden China-Vorstands Jochem Heizmann neu besetzt wird, ist unklar. Winterkorn könnte jedenfalls schon 2016 an die Aufsichtsratsspitze berufen werden. Dafür habe er die Rückendeckung der Familien Porsche/Piëch, weil Wolfgang Porsche als Oberhaupt des Porsche-Clans intern erklärt habe, für die Position nicht zur Verfügung zu stehen.

Mögliche Nachfolger für ihn gibt es im Konzern. So wäre Herbert Diess, der die Kernmarke VW neuerdings auf Rendite trimmen soll, bei Erfolg ein Kandidat. Erst seit Juli im Vorstand, muss er seine Fähigkeiten noch beweisen. Rückendeckung von Betriebsratschef Bernd Osterloh bekommt er schon jetzt: "Ich bin sehr angetan, wie er bestimmte Dinge einschätzt", lobt Osterloh im Handelsblatt-Interview.

Zugleich widerspricht Osterloh Vorhaltungen, Europas größter Konzern werde zurzeit von der IG Metall kontrolliert. Immerhin führt der alte Gewerkschafts-Haudegen Berthold Huber nach Piëchs brüskem Abgang den Aufsichtsrat an. "VW ist kein volkseigener Betrieb", so Osterloh, der aber weiß: Die VW-Welt wird sich nicht nur im Management verändern.

Auch in den Eigentümerfamilien macht sich eine neue Generation bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Acht Mitglieder der Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche nachfolgenden Generation sitzen bereits in den Aufsichtsräten von VW, Porsche, MAN und Scania. Offizieller Auftrag: Erfahrungen sammeln. Inoffizielle Mission: sich für höchste Ämter im Mutterkonzern empfehlen.

Mit Ferdinand Oliver, Daniell Porsche und Julia Kuhn-Piëch haben sich drei Urenkel des Firmengründers als mögliche Führungsfiguren positioniert. Sicher ist: Anders als in der Ära von Ferdinand Piëch ruht die Verantwortung für VW künftig auf vielen Schultern.

Kommentare zu " Nach dem Piëch-Abgang: Macht-Probe bei VW"

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  • Daniell Porsches bildungsmäßiger Hintergrund ist Waldorfpädagogik und Musiktherapie.

    Wie kann man sich mit so einer Bildung einen Spitzenposten bei VW auch nur in Betracht ziehen? Das grenzt an Größenwahn.

    Sollte er in eine bestimmende Position kommen, dann kann er das fehlende Fachwissen nie und nimmer in kurzer Zeit aufholen, ist also auf Gedeih und Verderb auf Berater angewiesen und wenn die nicht nur das Wohl des Konzerns im Sinn haben, dann Gute Nacht VW und kein Bett.

    Der Mann hat sich für eine Karriere als Kuschelpädagoge entscheiden, dann soll der das auch so durchziehen!

    Tja, uns fehlen die fähigen Fachkräfte eben nicht nur an den Maschinen...

  • Dabei wäre Uschi eine optimale Vorsitzende im Aufsixchtsrat gewesen. In den letzten Jahren war sie es, die über Herrn Dr. Piech den Konzern extrem dicht an Toyota heran gebracht hat.

    Aber das Unglück nimmt seinen Lauf. Keine wirklich neuen Ideen mehr, kein fortschritt, nur Rückzug und Langeweile. Alles, was der Kunde sieht, sind die Sachen, die Piech noch initiiert hat. Aber das wird bald beendet sein und dann --Gute Nacht--.

    Ich hoffe nur, dass Piech im Hintergrund ein Come-Back vor bereitet, so wie derzeit, als er nach der Ruhephase vom VV schließlich den Aufsichtsrat übernommen hat.

  • Dem stimme ich zu! Was da aus den Familien Porsche & Piech nachrückt ist beängstigend. Null Benzin im Blut ... daher mehr als ungeeignet.

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