Nach der Abwrackprämie: Lebensgefährliches Jahr für Deutschlands Autohändler

Nach der Abwrackprämie
Lebensgefährliches Jahr für Deutschlands Autohändler

Den Autohändlern in Deutschland und auch den Herstellern steht nach dem Auslaufen der Abwrackprämie ein hartes Jahr bevor: Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Zahl der Neuzulassungen 2010 um rund eine Mio. auf dann noch etwa 2,8 Mio. einbrechen wird. Viele Autohäuser werden deshalb ums Überleben kämpfen müssen. Und auch für die Hersteller wird es teuer.
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DÜSSELDORF. Schon im vergangenen Dezember schrumpfte der Neuwagenabsatz in Deutschland erstmals wieder - um knapp fünf Prozent. Hinzu kommt, dass auch die Auslastung der Werkstätten sinkt, weil Altfahrzeuge wegen der Prämie verschrottet wurden und deshalb nicht mehr repariert werden müssen.

Das Schrumpfungsszenario hat für die Händler schwerwiegende Konsequenzen: "Rechnerisch geraten dann 6500 deutsche Autohäuser in Gefahr", sagt Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg - das wäre fast jedes sechste. Allerdings lasse sich nicht absehen, wie sich Autobauer und Banken verhalten.

Mit einem ist er sich aber sicher: "Die Marktbereinigung wird jetzt kommen." Durch die Abwrackprämie habe sie sich lediglich nach hinten verschoben, "vor allem die zweite Tranche der Prämie werden wir noch bereuen." Meinig ist nicht der einzige, nach dessen Ansicht das deutsche Händlernetz seit 20 Jahren völlig überbesetzt ist. "Es gibt hier so viele Autohäuser wie in den Vereinigten Staaten, die ein viel größerer Markt sind."

Das Jahr könnte für die Hersteller, die sich in bestimmten Zentren zur Präsenz verpflichtet fühlen, teuer werden. Denn Meinig zufolge ist ihr zentrales Ziel ein möglichst hoher Marktanteil, wie er kritisiert. "Um hier nicht zu verlieren, werden sie wichtige Standorte nicht aufgeben. Deshalb werden dieses Jahr deutlich höhere Kosten auf sie zukommen." Schon zum Jahresende 2009 hatte der Volkswagen-Konzern mit Mahag München einen der größten Händler für VW und Audi übernehmen müssen, weil diesem das Geld auszugehen drohte.

Die Autobauer mit Fertigung in Deutschland demonstrieren Zuversicht und rechnen zumindest offiziell nicht mit Kosten durch Hilfsaktionen für Händler. Am stärksten wagen sich noch Opel und Ford aus der Deckung. Einem Sprecher der General-Motors-Tochter zufolge ist nicht auszuschließen, dass Händler in Bedrängnis geraten - "in der Regel allerdings vermutlich aufgrund ihres nicht funktionierenden Geschäftsmodells". In diesen Fällen will sich Opel eng mit den Händlern abstimmen, rechnet dadurch aber nicht mit nennenswerten Belastungen für sich.

Ford kündigt an, falls ein Händler aufgeben sollte "sind wir bemüht, Ersatz zu finden". Allerdings erwartet der Deutschland-Ableger des US-Autobauers, dass 2010 nicht mehr Unterstützung für Autohäuser notwendig sein wird als in der Vergangenheit. Die Zahl seiner Händler habe sich schon vor Jahren ausgedünnt, sie werde sich nicht merklich weiter reduzieren.

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  • Die Unkenrufe,wie in diesem Artikel beschrieben, begleiten unsere branche nun schon seit Jahren. Wobei die Themen auswechselbar sind, die Strategie eine gesamte branche, die im übrigen auf der ganzen Welt ein hohes Ansehen geniest, immer in einem möglichst negativen Licht zu präsentieren ist langsam aber sicher ermüdend. Vielleicht würde es den Experten mal gut tun ein Auto zu verkaufen, dann würden sie sicher etwas bedachter ihre Meinung äußern.

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